Battlestar Galactica – Das Brettspiel

Battlestar Galactica - Das BrettspielSelten hat mich eine TV-Serie so positiv überrascht wie Battlestar Galactica. Aus Gründen, die ich heute nicht mehr nachvollziehen kann, habe ich diese Science-Fiction-Serie lange Zeit ignoriert. Irgendwann fiel mir jedoch die DVD mit dem Pilotfilm in die Hände. Und das war’s. Wow. Was ein Auftakt. Was eine Serie. Heute bekommt Battlestar Galactica auf meiner persönlichen TV-Serien-Bewertungskala extrem gute 8 von 10 Punkte.

Inspiriert vom Erfolg der TV-Serie brachte Fantasy Flight Games Anfang 2008 ein gleichnamiges Brettspiel heraus. Battlestar Galactica – Das Brettspiel ist nicht nur nah ganz an der Handlung der TV-Serie (was Serien-Fans freuen wird), sondern auch von ebensolch hoher Qualität (was Brettspiel-Fans freuen wird). Seit Februar 2009 wird Battlestar Galactica auf Deutsch vom Heidelberger Spieleverlag herausgebracht. Damit ist das Spiel zwar nicht mehr taufrisch, es ist aber mein persönliches Lieblingsspiel aus dem Science-Fiction-Bereich – und eines der besten Brettspiele überhaupt.

Die TV-Serie als Vorlage

Battlestar Galactica ist eine Neuauflage des Science-Fiction-Klassikers Kampfstern Galactica von 1978. Ihr wisst schon, diese Serie mit den chrom-blinkenden humanoiden Robotern, die eine rote LED-Leuchtleiste als Augen haben (fast wie K.I.T.T.).

Battlestar Galactica spielt 40 Jahre nach dem ersten Krieg zwischen den Menschen und eben diesen intelligenten Maschinen – den Zylonen. Zu Beginn der neuen Serie wird der damals vereinbarte Waffenstillstand von den Zylonen gebrochen. In einem Überraschungsangriff wird nahezu die gesamte Menschheit ausgelöscht. Angeführt vom Kampfstern Galactica fliehen die wenigen Überlebenden vor der Übermacht der Zylonen und suchen eine neue Heimat – die Erde.

Die zehn spielbaren Charaktere von Battlestar GalacticaAn dieser Stelle beginnt das Brettspiel. Die drei bis sechs Spieler übernehmen jeweils die Rolle eines der Hauptcharaktere aus der TV-Serie und müssen zusammenarbeiten, um die Angriffe der Zylonen abzuwehren, die Gefahren der Reise durch das Weltall zu meistern und der Erde Schritt für Schritt näher zu kommen. Battlestar Galactica ist ein Kooperationsspiel im besten Sinne – mit einer Ausnahme: Mindestens einer der Spieler ist ein Verräter.

Einige sind programmiert zu denken, sie seien Menschen

Die Zylonen haben Roboter entwickelt, die äußerlich nicht von Menschen zu unterscheiden sind und sich unter die Besatzung der Galactica gemischt haben. Zu Beginn des Spiels wird mit sogenannten Loyalitätskarten bestimmt, ob ein Charakter ein Zylon ist. Dessen Spieler muss fortan möglichst unauffällig aber wirksam die Aktionen der anderen Spieler sabotieren.

Umfangreich bescheibt den Inahlt der Box am bestenDas klingt schon übel genug für die Besatzung der Galactica, doch richtig fies wird es durch die Schläfer. Das sind ebenfalls menschliche Zylonen, die aber zu Beginn des Spiels nicht wissen, dass sie Zylonen sind. Diese Schläfer werden zu einem späteren Zeitpunkt aktiviert. Sprich: An einem bestimmten Punkt des Spiel werden neue Loyalitätskarten verteilt – und plötzlich findet sich ein Spieler, der bislang alles für den Sieg der Menschheit getan hat, in der Rolle des sabotierenden Zylonenverräters wieder.

Der besondere Reiz des Spiels liegt in genau dieser Rollenverteilung. An der Oberfläche ist Battlestar Galactica ein Kooperationsspiel. Doch darunter treten die Spieler in zwei Teams gegeneinander an – ohne dass die Spieler untereinander wissen, zu welchem Team die anderen gehören. Dieses Spielprinzip führt zwangsläufig zu Misstrauen, Paranoia und offenen Anklagen. Mit anderen Worten: Es ist ein Heidenspaß.

Ein Blick auf den Spieltisch

Ein Blick auf Spielfeld von Battlestar Galactica
Das Spielbrett zeigt in der Mitte die Galactica in all ihrer Pracht, darüber befindet sich die Colonial One (Das Präsidentenschiff), die vier Zylonenorte, die Sprungleiste und die Statusanzeigen Moral, Treibstoff, Nahrung und Bevölkerung.

Im Battlestar Galactica-Grundspiel (es gibt bereits mehrere Erweiterungen) ist es das Ziel der Menschen-Spieler, mit der Galactica den Planeten Kobol zu erreichen – die erste Etappe auf dem Weg zur Erde. Dafür führen die Galactica und ihre Begleitschiffe in regelmäßigen Abständen Lichtsprünge durch. Wird Kobol erreicht, haben die Menschen das Spiel gewonnen.

Die Zylonenspieler versuchen genau das zu vermeiden. In der Zeit zwischen den Sprüngen müssen sie der Menscheit möglichst viel Schaden zufügen. Die Zylonen gewinnen, wenn sie entweder die Galactica zerstören oder erobern oder wenn es ihnen gelingt, dass eine der vier Ressourcen Treibstoff, Moral, Bevölkerung oder Nahrung auf 0 gesunken ist.

Die Ressourcenanzeige - Fällt eine Ressource auf 0, haben die Menschenspieler verloren

So funktioniert der Spielzug

Der aktive Spieler zieht eine auf seiner Charakterkarte angegebene Zahl an Fertigkeitskarten aus den zugehörigen Kategorien Politik, Taktik, Technik, Raumkampf und Führerschaft. Wer die TV-Serie kennt weiß: Auf der Galactica gibt es sehr unterschiedliche Charaktere. Entsprechend hat jeder Spielercharakter im Spiel unterschiedliche Fertigkeiten, Vorteile und Nachteile.

Der Spieler von Adama zieht zu Beginn seines Zuges drei grüne und zwei violette FertigkeitskartenNach dem Ziehen der Karte darf sich der Spieler in der Galactica oder der Colonial 1 bewegen und dort die Aktion in dem aufgesuchten Raum ausführen, seine Fertigkeitskarten ausspielen oder die besondere Aktion seiner Spielfigur durchführen. Die Aktionen dienen prinzipiell alle dazu die Situation der Menschheit zu verbessern, indem z.B. Zylonenschiffe angegriffen oder Reparaturen durchgeführt werden.

Hat der Spieler seine Aktion durchgeführt, handeln die Zylonen. Der aktive Spieler zieht eine Krisenkarte, deren Anweisung befolgt werden müssen. Abgesehen davon, dass durch die Krisenkarte die Zylonenschiffe auf dem Spielfeld bewegt werden und angreifen können, wird die Menschheit meist mit einer neuen (der Name sagt es schon) Krise konfrontiert. Die negativen Auswirkungen der Krise können häufig durch einen erfolgreichen Fertigkeitscheck abgewendet werden.

Bei einem Fertigkeitscheck sind nur bestimmte der fünf Fertigkeiten gefragt. Jeder Spieler legt verdeckt Fertigkeitskarten ab, zwei weitere werden von einem Zufallsstapel gezogen. Danach werden die Karten aufgedeckt. Jede Karte hat einen bestimmten Wert. Die Werte der benötigten Karten werden addiert. Bei falschen Karten werden die Werte subtrahiert. Für ein Meistern der Krise muss die Summe der Werte über eine auf der Krisenkarte angegebene Zahl liegen. Zylonenspieler haben hier die perfekte Möglichkeit zur Sabotage.

Neben diesem Standard-Spielzug hat Battlestar Galactica zahlreiche weitere Details und Facetten. Zylonenspieler können enttarnt werden, einzelne Spieler können Präsident oder Admiral werden, es gibt den Zwölferrat, Superkrisenkarten und Nuklearwaffen und noch einiges mehr. Ja, Battlestar Galactica ist komplex, aber das grundlegende Spielprinzip ist so wie oben skizziert – und es macht enorm viel Spaß.

Fazit: Battlestar Galactica – Das Brettspiel

„Du dreckiger Zylone!“

Battlestar Galactica überzeugt in jeder Hinsicht. Ich kenne nur wenige Brettspiele, die das Flair einer Vorlage (ob Buch, Film oder TV-Serie) so gut eingefangen haben. Vor dem Hintergrund der ständigen Bedrohung durch die Zylonen fahnden die Spieler unter Hochdruck nach dem Verräter in ihren Reihen. So entwickelt sich ein extrem unterhaltsamer Mix aus Bluffen, Raten, Misstrauen, Verdächtigungen, Beschuldigungen und Paranoia.

„Ich bin kein Zylone. Du bist bestimmt einer.“Die Galactica im Kampf gegen Zylonenschiffe

Die Spielmeachnismen erscheinen auf den ersten Blick komplizierter als sie eigentlich sind. Tatsächlich verlaufen die meisten Spielzüge später sehr ähnlich, fast schon monoton. Doch das macht nichts. Der Spielspaß entsteht ohnehnin nicht nur durch die Züge dem Spielbrett, sondern vor allem in der Kommunikation der Spieler untereinander.

„Was ich? Niemals bin ich ein Zylone. Nur ein Zylone würde behaupten ich wäre ein Zylone.“

Die gelungene Kombination aus taktischem Kooperationsspiel und Intrigenspiel sorgt dafür, dass es niemals langweilig wird. Die Atmosphäre am Spieltisch ist enorm dicht. Fans der TV-Serie werden sich sofort an Bord der Galactica versetzt fühlen. Doch selbst wer die Serie nicht kennt, wird mit Battlestar Galactica ganz viel Spaß haben.

„Netter Versuch. Aber wir wissen doch beide genau, wer von uns ein Zylone ist und wer nicht. Du dreckiger Zylone!“

Daten zum Spiel


Battlestar Galacita – Das Brettspiel
Verlag: Fantasy Flight Games, Heidelberger Spieleverlag
Altersempfehlung: ab 10 Jahre
Spieleranzahl: 3 – 6
Spieldauer: 180+ Min.
Preis: ab 35 Euro
Die englische Anleitung gibt es hier.

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5 Comments

  1. 13-09-2013
    Reply

    Ganz großartiges Spiel – wie Du schreibst, es funktioniert als Spiel, aber auch als Umsetzung. Das einzige, was mich davon abhält, es regelmäßiger zu spielen, ist die relativ lange Spieldauer (außer die Menschheit verstirbt sehr früh …)

    • 14-09-2013
      Reply

      Ja, man muss sich dafür Zeit nehmen. Mal eben spielen ist nicht.

  2. 14-09-2013
    Reply

    Klingt aber irgendwie danach, als sei das Witzigste an dem Spiel letztendlich die Parts mit dem Konzept von „Die Werwölfe aus dem Düsterwald“ … 😉

  3. 18-09-2013
    Reply

    Ich fand das Spiel ganz gut, am lustigsten ist ja noch immer die Möglichkeit ein Zyklone zu sein bzw. die anderen. So was macht immer Spaß und erzeugt heftige Diskussionen am Tisch. 😀

    Liebe Grüße
    Christina

    • 18-09-2013
      Reply

      Auf jeden Fall. Leider war ich bislang noch nie Zylone. 😉

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