Gibt es Brettspiele, die schon Kleinkinder spielen können? Kinder ab 2 Jahren? Bestimmt. Doch die Suche nach solchen Spielen ist voller Ernüchterungen.

Wer Brettspiele für Kleinkinder sucht, wer sich Tipps, Empfehlungen und Erfahrungen erhofft, wird alleingelassen. Zumindest von Google. Eine Google-Suche nach „Brettspiele für Kinder ab 2“ spuckt zwar 1,6 Millionen Ergebnisse aus. Gefühlt 1,599 Millionen dieser Suchergebnisse wollen aber etwas verkaufen.

Ich habe nichts dagegen, wenn Webseiten-Betreiber Geld verdienen möchten. Ein Affiliate-Link auf Amazon? Warum nicht? Wenn sonst der Inhalt stimmt. Tut er häufig aber nicht.
Das typische Webseite – wenn sie nicht gleich ein Shop ist – sie so aus: Unter der Überschrift „Erste Spiel für Kinder“ oder „Kinderspiele Empfehlungen“ folgt eine Liste von x Brettspielen, jeweils mit einem Bild, manchmal einer Kurzbeschreibung von drei bis fünf Sätzen und (vermutlich das Wichtigste) einem Link auf Amazon.

Was wollen Kleinkinder spielen?

Erfahrungsberichte, Rezensionen, eine redaktionelle Annährung an das Thema, die ihren Namen verdient, ist die große Ausnahme. Das soll nicht heißen, dass es keine Tests und Texte über Brettspiele für Kleinkinder gäbe. Die gibt es zuhauf. Doch wie glaubwürdig sind Seiten, auf denen nahezu jedes Spiel mit 4,5 von 5 Sternen bewertet wird und der prominenteste Inhalt der Kaufen-Button ist?

Bestimmt gibt es Menschen im Internet, die sich ernsthaft und aufrichtig mit dem Thema beschäftigen. Die sich Gedanken machen, welche Brettspiele für Kleinkinder aus welchen Gründen geeignet sind. Die reflektieren, was Kinder mit 2 Jahren können und wollen und welche Brettspiele dem gerecht werden.

Wenn es diese Seiten gibt, dann sie gut versteckt. Womöglich sind sie nicht für Suchmaschinen optimiert. Google zumindest ist keine große Hilfe. So gleicht eine Webseite der anderen und hilfreich sind die wenigsten.

Google ist keine Hilfe

Drei Brettspiele für Kleinkinder werden eigentlich überall empfohlen: Obstgarten von Haba, Mein erstes Mitmach-Spiel von Ravensburger und irgendwelche Holz-Memorys. Selten jedoch wir geschrieben, was diese Spiele auszeichnet und warum sie empfehlenswert sind.

Die ausführlichste Rezension, die zugleich nicht völlig unglaubwürdig erscheint, habe ich auf Nestling.org gefunden. Mit rund 1700 Zeichen hält sich der Informationsgehalt jedoch in Grenzen.

Wenn man weiß, wonach man sucht, und sich bereits ein wenig auskennt, helfen die großen Portale für Brettspiele weiter. Informationen und Test von Brettspielen finden sich auf zum Beispiel auf Spielkult, Brettspiel-Report oder H@ll 9000. Doch viele Filter- und Suchmöglichkeiten nach Brettspiele für Kleinkinder haben diese Portale nicht – oder sie funktionieren nicht richtig.

Vielleicht lasse ich mich – ganz oldschool – im stationären Fachhandel beraten lassen. Den soll es ja noch geben.

10 Kommentare zu “Brettspiele für Kleinkinder – Eine schwierige Suche

  1. Oder man holt sich Rat bei anderen Vätern…

    „Da ist der Wurm drin“ von Zoch kann ich beispielsweise sehr empfehlen.

    Auch kann man die meisten Bestseller-Spiele erstmal in einer Bibliotheken ausleihen. Das machen wir auch oft

  2. Allgemein ist für diese Zielgruppe HABA ein guter Suchbegriff.
    Die Spiele sind meist sehr kindgerecht, ordentlich verarbeitetes Holz und liebevoll gestaltet.Dabei jedoch gleichzeitig spannend und auch für Gelegenheitsspieler >4Jahre nicht ungeeignet.
    Ansonsten mögen Kinder in dem Alter alles, was Krach macht. (Mikado, Jenga in der Kindervariante mit größeren Holzbausteinen)
    So richtig hat die Industrie aber erst die Vorschüler und dann bis 999 Jahre im Fokus.
    Wenn Dein Kind das Alter erreicht, frag noch mal, da hab ich eine längliche Liste, die bei uns im Verein zu den Spielecafes mit kleinen Kindern (also 4-8) immer wieder gern genommen und gespielt werden.

  3. Genau dieses Problem hatte ich vor sechs Jahren auch – und es liegt meiner Meinung nach darin begründet, dass die Auswahl für 2jährige einfach sehr, sehr begrenzt ist. So stößt man unweigerlich immer wieder auf die gleichen Titel, die im Kern Varianten von Farberkennung und Memory sind; und selbst da sind die meisten Spiele ab 3+.
    Gute Erfahrungen habe ich noch mit Habas „Meine ersten Spiele – Tier auf Tier“ gemacht, da steht tatsächlich 2+ drauf und es ist mit den großen, gut greifbaren Stapelfiguren auch wirklich für dieses Alter geeignet.

    Ansonsten muss man sich damit abfinden, dass die Ausbildung zum Zocker einfach noch ein paar Jahre Geduld braucht – aber man steigert sich dann einfach mit der Zeit über Titel wie „Geistertreppe“, „Nacht der Magier“ oder „Dino Hunt Dice“ und ist dann mit 6 Jahren unversehens bei Spielen wie „Bohnanza“, „Hey! Das ist mein Fisch“ oder „King of Tokyo“…

  4. Hm, die Suche steht mir auch noch bevor. Aber das Problem, dass das Internet Dank SEO und anderen Tieren mehr und mehr “ungogglebar“ wird, ist mir auch schon aufgefallen. Gerade bei extremen Nischen. Wenn deine Recherche Früchte trägt, dann blogge doch mal dazu. Auf einem etablieren Blog und wenn es ein paar Leute verlinken kann das schon recht gut gefunden werden. Braucht halt die richtigen Schlüsselwörter und dann kann es schon ganz gut gegen solche miesen Seiten von denen du schreibst anstinken.

  5. „Da ist der Wurm drin“ wäre jetzt auch meine erste Empfehlung gewesen.

    Von HABA sind „Mein erster Obstgarten“ und „SOS Schaf in Not“ ganz nice. Auch gute Farbwürfelspiele sind „Tempo kleine Fische“ und „Tempo Kleine Schnecke“ von Ravenburger. A Propos Ravensburger und Farbwürfel: Ein Klassiker aus meiner Frühkindheit ist die Sammlung „4 erste Spiele“, die bei meinen Kurzen von der Aufmachung her gut ankam. Aber diese 4 ersten Spiele (und alle zuvor genannten) bestehen aus „Farbwürfel rollen und setzen“, also viel über eigentliches „Spielen“, also taktische Entscheidungen etc., lernt man dabei nicht. (Außer bei dem Spiel „Wurstschnappen“, aber bei dem würfelt man sich buchstäblich einen Wolf.)

    Für „richtige“ Spiele musst Du wohl noch ein bisschen warten, meine haben mit 4+ damit angefangen. Dann empfehle ich Dir
    1. den Verlag „Drei Magier Spiele“ („Geistertreppe“ und „Nacht der Magier“ wurden ja schon genannt, ich empfehle noch „Der verzauberte Turm“).
    2. Die Siegerliste „Kinderspiel des Jahres“ vom Verein „Spiel des Jahres“. Im Backlog der letzten 10-12 Jahre solltest Du eigentlich ohne Probleme was finden, das Deinem Nachwuchs liegt.

    Wir spielen zurzeit viel „Siedler Junior“. Kind#2 (5 Jahre) hat die Regeln verstanden und kann Rohstoffe sammeln und Dinge kaufen, Kind#1 (7 J.) entwickelt bereits Strategien und spielt durchaus taktisch.

    Was im übrigen sehr gut funktioniert hat waren Kartenspiele. Wir sind von „Hund“ (einer sehr einfachen MauMau-Variante) über MauMau mittlerweile bei UNO mit Hausregeln (die an eine Mischung aus DSA4.1 und dem Skatspiel aus dem ersten Werner-Film erinnern) angekommen.

    Ansonsten halt Klassiker. Mensch ärgere Dich nicht geht eigentlich immer (wenn man keine Angst hat, dass die Nachbarn wegen des Geschreis das Jugendamt anrufen), da gibt es eine sehr schöne Farbwürfelvariante mit dem Maulwurf aus der Sendung mit der Maus. Auch Mühle und Halma geht mit 4-5jährigen ganz gut. Memory eventuell schon mit Drei. Aber Zweijährige ist eher schwer – da wird es eher auf Farbwürfelspiele hinauslaufen…

    Noch ein Geheimtipp: Es gibt einen Internetfachhandel für Spielmaterial, der heißt glaube ich auch so. Die haben auch nen Stand auf der Messe in Essen, auf dem man unter anderem Musterbeutel mit unsortierten Pöppeln, Tierfiguren, Pappcountern, etc. kaufen kann, ich glaube 500g zu 5€. Da habe ich meinen Kids einen von gegeben, um sich damit auszulassen. Natürlich sind Vorschulkinder keine Spieleautoren, aber allein das Rumgedödel mit dem Zeug hat sie neugierig auf’s Brettspiel gemacht.

    Beste Grüße und viel Erfolg,
    A.

  6. Und hier noch ein weiterer Kommentar, zu von Dir im Eintrag aufgeworfenen Fragen, speziell „Was wollen Zweijährige eigentlich spielen?“
    Vorab: Ich habe keinerlei pädagogische Ausbildung, ich bin nur ein Vater, der gerne spielt.

    Ich denke, Zweijährige wollen noch nichts „spielen“, in dem Sinne, was wir unter „spielen“ verstehen. so kleine Kinder wollen in erster Linie „erleben“. Fast alle Spiele, die für die ganz Kleinen bis jetzt genannt wurden, haben den gleichen Mechanismus: Farbwürfel rollen, Figur setzen. Dabei gibt es fast nie eine Interaktionsmöglichkeit. Um den Webcomic XKCD zu zitieren: Wusstest Du, das die schnellsten Supercomputer der Erde eine Siegquote von nur 50% gegen die besten menschlichen Leiterspielprofis haben? Das Gleiche gilt auch für den ersten „Obstgarten“, „SOS Schaf in Not“ und „Tempo Kleine Fische“.
    Wichtig für die Kleinsten ist, dass bei diesen Würfelorgien ohne Interaktionsmöglichkeit eine spannende Geschichte erzählt wird. Die Spieler haben keinerlei Einflussmöglichkeit darauf, dass der Obstgarten abgeerntet wird, bevor der gierige Rabe alles auffrisst, ob die Schafe schnell genug über die Steine hüpfen, um das Schiff zu erreichen oder ob die Fische ins Meer entkommen, bevor der Angler sie alle gefangen hat. Aber trotzdem sind diese Spiele so spannend, das gleich die nächste Runde begonnen werden muss. Gerade der „Obstgarten“ ist Paradebeispiel dafür: Man hat als Spieler keinerlei Einfluss auf irgendetwas, aber vielleicht schaffen „wir“ es ja beim nächsten Mal, das Obst vor dem Raben zu retten…
    Das Spielprinzip ist also in der Regel bei Kleinkindern vernachlässigbar (und in der Regel austauschbar). Wichtig ist, dass das ganze Drumherum, also die Aufmachung, das Design, die Haptik, etc., die Kinder mitreißt. Und da ist HABA für die Kleinsten wirklich sehr weit vorn.

    Mit dieser Vorgeschichte schreibe ich Dir jetzt noch eine Mini-Rezension zu „Da ist der Wurm drin“ in die Kommentare, weil dieses Spiel eine entscheidende Sache sehr richtig macht. Bei „Da ist der Wurm drin“ spielt man auf einem Spielplan, der aus zwei Papp-Brettern besteht. Diese sind so übereinander montiert, dass zwischen den Brettern 4 „Schlitze“ oder „Röhren“ entstehen. In diese Röhren steckt jeder Spieler den Kopf eine Rennwurms. Dann wird reihum mit dem Farbwürfel gewürfelt. Zu jeder Farbe gibt es ein bestimmtes „Wurmsegment“, das man hinter seinem „Wurmkopf“ in die Röhre streckt, wodurch man den Kopf nach vorne schiebt. Bei „rot“ darf man ein rotes, sehr langes Wurmsegment einschieben, die „blauen“ Segmente sind sehr kurz. Der Spieler, dessen Wurm seinen Kopf als erster aus dem Schacht wieder rausstreckt, hat gewonnen.
    Soweit, so zufallsbasiert. Das interessante: Man kann keinen Wurm sehen, man weiß also nur, wie lang ein Wurm ist, wenn man sich merkt, welche Segmente jeder Spieler bisher erwürfelt hat. Der Spielplan hat aber ein Element, bei dem man das Spiel beeinflussen kann: An zwei Stellen stecken die Würmer kurz ihren Kopf aus der Erde. Hier kann man Wetten abschließen, welcher Wurm wohl zuerst vorbeikommt (und wenn man richtig geschätzt hat, ein Bonus-Wurmsegment abgreifen).
    Diese Mischung aus packender Story, einfachem Farbwürfelspiel und einer kleinen, wirklich leicht zu verstehenden (weil in die Story eigebauten) Interaktionsmöglichkeit macht „Da ist der Wurm drin“ zu einem echt guten Spiel für 3-, vielleicht auch 2-jährige.

    So, jetzt aber gute Nacht,
    Gruß
    A.

  7. Ach ja, und noch eine kleine Ergänzung zum Thema „Spiele ab 2“:
    Nur sehr wenige Spiele sind für dieses Alter ausgezeichnet, da man dafür eine Unbedenklichkeitsbescheinigung vom TÜV oder so ähnlich braucht.

    Für die Verlage ist es einfacher „Nicht geeignet für Kinder unter drei Jahren – Vorsicht Erstickungsgefahr“ drauf zu drucken, auch wenn die potentielle Zielgruppe der Zweijährigen verloren geht.

    1. Ah, interessanter Hinweis. Danke.
      Und auch ganz herzlichen Dank für Deine anderen Kommentare. Das waren äußerst hilfreiche Infos.

  8. Der vom Ackerknecht erwähnte Fachhandel für Spielmaterial findet sich im Netz unter http://www.spielmaterial.de/ und ist auf der Spiel 17 mit einem Stand an 3-K106 vertreten.

    Da werde ich dieses Jahr aber eher meinen Vorrat an generischen Rollenspiel-Pöppeln für meinen All-Rolled-Up aufstocken…

  9. „Mein erster Spieleschatz“ von HABA ist da auch ein guter Einstieg ab „2,5“: Da kann man mit simplen Farbwürfelspielen anfangen, und je nach Alter dann weitere Spiele dazu nehmen.
    Meine Tochter ist jetzt 4, und wir holen die Sammlung immer wiede mal raus und spielen dann auch was neues.

    Was ab 3 schon mit simplen Regeln ging: Quirkle.
    Auf Punktezählen muss man da verzichten (der Fokus liegt dann da eher beim „zusammenbauen“), aber das grundsätzliche Prinzip mit dem Farben oder Formen anlegen hatte sie dann bald raus.

    Allgemein kommt es natürlich auch darauf an, worauf das Kind so „Bock“ hat: Meine Tochter konnte schon recht fix mit einem echten 6-Seiter Würfel umgehen. Somit war echtes „Mensch ärger dich nicht“ kein Problem und erweitert natürlich entsprechend die Möglichkeiten.

    Noch ein Tipp (gerade für die Rollenspiel-Fraktion): Die „Story Cubes“ kamen bei meiner Tochter gut an: Dabei würfelt man 9 Würfel und muss anhand der Symbole eine Geschichte erzählen. Das Geschichten-Erzählen müssen bei 2-3 Jährigen logischerweise dann wohl eher die Erwachsenen übernehmen. Aber meine vierjährige Tochter hat letztens mit ein paar Würfeln schon mitgemacht und sich selbst etwas ausgedacht.
    Wer also seine Kinder „rollenspiel-affin erziehen“ will, der sollte sich die Story Cubes mal anschauen… 😉

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