Rezension: Der Fall des Fürsten
Der Fall des Fürsten, Seite 88, zweites Kapitel. Die Helden stehen mitten im Chaos, haben drei Ziele gleichzeitig, und jede Entscheidung soll etwas kosten. Das ist die Szene mit der besten Idee. Schade, dass das Abenteuer an sie selbst nicht glaubt.
Der Fall des Fürsten ist der Auftakt der Kaiserstern-Kampagne, der das Mittelreich in einen Krieg stürzt und es dauerhaft verändern soll. Der Band verspricht den Spielern, dass sie Schlachten an der Seite der Kaiserin schlagen, Intriganten das Handwerk legen und dunkle Geheimnisse enthüllen. Das trifft alles zu. Im Kern geht es um eine Rebellion von Adligen gegen Kaiserin Rohaja. Spannender Abenteuer-Stoff. Doch Der Fall des Fürsten ist kein Abenteuer im eigentlichen Sinne. Es ist ein Metaplot-Erlebnisprodukt mit Würfeleinlagen.
DSA hat eine lange Geschichte eng geführter Metaplot-Kampagnen. Dabei zu sein, wenn die wichtigen Dinge passieren, ist fast schon Tradition. Aber es gibt einen Unterschied zwischen Helden, die Geschichte erleben, und Helden, die Geschichte beobachten. In Der Fall des Fürsten befinden sich die Helden viel zu oft in der Zuschauerrolle. In den dramatisch wichtigsten Szenen des Bandes sind sie nicht anwesend, weil sie gebraucht werden, sondern weil das Abenteuer einen Beobachter braucht. Der Fall des Fürsten sagt es selbst, im Einleitungstext: Die Helden „werden Zeuge“. Das ist Programm.
Schwierig wird diese programmatische Ausrichtung allerdings nicht dann, wenn die wichtigen Szenen festgelegte Ergebnisse haben. Das ist das Schicksal der Metaplot-Abenteuer. Schwierig wird es dann, wenn das Abenteuer selbst den Weg zu den Ergebnissen festlegen möchte. Exemplarisch dafür steht eine Stelle früh im Abenteuerband, wo eine Geiselbefreiung grundsätzlich möglich ist und ein Meisterkasten explizit einräumt, dass Helden diese naheliegende Lösung wählen könnten. Doch das Abenteuer schiebt diese Option beiseite, weil es einen bestimmten Ablauf vorsieht. An anderen Stellen hätten die Helden die Möglichkeit, Hauptantagonisten auszuschalten. Doch das Abenteuer berücksichtigt diese Möglichkeit nicht oder untersagt sie aktiv, weil die Antagonisten in Folgeszenen und -bänden gebraucht werden.
Das Abenteuer zwängt die Spieler in sehr eng vorgegebene Richtungen. Dessen scheint es sich auch bewusst zu sein. Der Band verweist in einzelnen Kästen selbst auf alternative Handlungswege. Als Beleg für Handlungsfreiheit taugen diese gleichwohl nicht. Sie belegen viel mehr, dass das Abenteuer weiß, dass Helden anders handeln könnten, sich aber trotzdem dagegen entschieden hat, diese Alternativen auszuarbeiten. Wer abweicht, wird allein gelassen.
Am deutlichsten zeigt das eine Szene am Anfang des zweiten Kapitels: drei gleichzeitige Ziele, Chaos, Druck. Die Szene verspricht echte Entscheidungen. Aber die Reihenfolge der Aktionen ist vorgegeben, der Ausgang vorherbestimmt. Was wie Handlungsfreiheit aussieht, ist Kulisse.
Dass es anders geht, zeigt eine Erkundungssequenz später im selben Kapitel: offene Struktur, Entscheidungen mit spürbaren Folgen, ein wichtiger NSC, der nicht am Gängelband geführt wird. Kein großer Metaplot-Moment, aber einer, in dem die Helden tatsächlich handeln. Der Band weiß also, wie das geht, er entscheidet sich nur zu selten dafür.
Wer Charaktere im garethischen Hochadel ausspielen und Metaplot-Dichte am Spieltisch erleben möchte, wird mit Der Fall des Fürsten zufrieden sein. Wer eingreifen will, nicht nur beobachten, den hält der Band auf Abstand. Das ist eine Entscheidung. Praktisch bedeutet das: Es ist eine Kampagne für Spieler, die das lebendige Aventurien erleben und dichte Atmosphäre genießen möchten und dafür auf Handlungsfreiheit verzichten können. Oder für einen Spielleiter, der bereit ist, Lücken selbst zu füllen.
Bewertung: bedingt empfehlenswert
Produktdaten
- Verlag: Ulisses Spiele, DSA5
- Erschienen: 2. Mai 2026
- Umfang: 136 Seiten
- Preis: 39,95 €
- Hauptautor: Julian Härtl
- Auftakt der Kaiserstern-Trilogie (Forts.: Die Krone der Königin, Der Krieg der Kaiser)
- Gruppenabenteuer, 3–6 Helden, Stufe meisterlich bis brillant

Ein Kommentar