Dragonbane
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Vom Auslaufmodell zur Produktlinie – Uhrwerk und die neue Dragonbane-Freiheit

Es gibt da ja ein schönes Zitat von George Bernhard Shaw: „Freiheit bedeutet Verantwortung. Das ist der Grund, warum die meisten Menschen so große Angst vor ihr haben.”

Free League, der Rollenspielverlag, der die Freiheit quasi programmatisch im Namen trägt, hat sich also für die Verantwortung entschieden. Oder für die Freiheit. Wie man es sehen möchte. Im März haben die Schweden eine neue Version ihrer Third-Party-Lizenz veröffentlicht, die es Verlagen weltweit erlaubt, kostenlos und unwiderruflich eigene Ergänzungsbände zu veröffentlichen, die mit einem von fünf Free-League-Systemen kompatibel sind.

Angesichts so viel neuer Freiheit hat der Uhrwerk-Verlag, der unter anderem bestehende Free-League-Produkte auf Deutsch herausbringt, seinen Mut zusammengenommen und sich der Verantwortung gestellt. Oder zumindest angekündigt, sich der Verantwortung stellen zu wollen. Vielleicht.

Auf der EulenCon Anfang Mai in Köln gab der Verlag bekannt, durch die Lizenzerweiterung von Free League nun erstmals mehrere deutschsprachige Dragonbane-Ergänzungsbände veröffentlichen zu können. Bislang gab es nur die Vereinbarung für einen separaten Band. Neben der Übersetzung der Dragonbane-Produkte ins Deutsche arbeitete der Verlag an der Grünen Ebene, einem Dragonbane-Settingband für Aventurien.

Was danach kommen könnte

Im Workshop auf der EulenCon wurden mögliche Folgeformate diskutiert. Weitere Regionalbände im Stil der Grünen Ebene standen dabei im Vordergrund. Betrachtet wurden Veröffentlichungen zu angrenzenden Gebieten wie die Salamandersteine, der Blaue See oder die intern bereits diskutierte Schwarze Sichel, aber auch ein Kontrast-Setting in Südaventurien mit anderen Charakterkonzepten.

Als besonders interessant wurde die Idee eines Stadtbands im Stil der alten Havena-Box oder der DSA4-Städtebeschreibungen gewertet: eine einzelne Stadt, aufbereitet für Exploration, mit abgeschlossenen Abenteuerschauplätzen und Hexploration-Mechanik. Das wäre ein Format, das DSA5 in dieser Kompaktheit zuletzt nicht mehr angeboten hat.

Diskutiert wurden außerdem aventurische Zeitepoche-Konzepte, etwa die Wildermark in früheren Zeiten oder alternative Zeitlinien, wobei hier noch offen ist, was die ELF-Lizenz tatsächlich erlaubt. Alle Pläne standen unter dem ausdrücklichen Vorbehalt, dass zuerst die Grüne Ebene erscheinen und sich am Markt bewähren muss. Ein konkreter Folgeband wurde nicht angekündigt.

Was die Grüne Ebene ist — und was nicht

Die Grüne Ebene ist dabei als ein Aventurien-Regionalband konzipiert, der die Dragonbane-Regeln nutzen wird. Es soll das schlanke Regelsystem in die eher unerforschte und weniger beschriebene nordaventurische Wildnis zwischen den Gebieten der Steppenelfen, Nivesen und Goblins tragen. Im Mittelpunkt wird die explorative Welterschließung rund um das Dorf Travingen stehen.

Das Konzept steht damit im Kontrast zu Melliador, dem parallel entwickelten Aventurien-5e-Regelwerk desselben Verlags. Es wird kein episches Heldenspiel in der ganzen Breite Aventuriens sein, sondern bodenständiges Stimmungsspiel in einer begrenzten Region.

Zweieinhalb Jahre, kein Erscheinungstermin

Das Crowdfunding für Dragonbane und Die Grüne Ebene startete im November 2023, sammelte über 100.000 Euro ein und sollte ursprünglich Ende 2024 abgeschlossen sein. Daraus wurden mittlerweile zweieinhalb Jahre. Der Verlag und die Projektverantwortlichen geben sich selbstkritisch und hatten bereits mehrfach eingeräumt, den Aufwand unterschätzt zu haben. Die Auslieferung der Dragonbane-Übersetzungen soll demnächst erfolgen.

Einen Erscheinungstermin für Die Grüne Ebene jedoch gibt es weiterhin nicht. Immerhin: Auf der EulenCon meldete sich das Team mit konkreten Neuigkeiten. Die Grüne Ebene ist fertig geschrieben, das Lektorat ist abgeschlossen, und seit März 2026 befindet sich der Band im Layout.

Vom Auslaufprodukt zur Produktlinie

Noch bis vor kurzem war Die Grüne Ebene strukturell ein Auslaufmodell: ein einzelner lizenzierter Band, der nach seiner Auslieferung wenig hinter sich lassen würde außer einem abgeschlossenen Crowdfunding. Dann hat Free League seine Lizenzbedingungen erweitert. Und plötzlich ist aus einem Einzelprojekt eine mögliche Produktlinie für Aventurien geworden.

Beschlossen ist gleichwohl noch nichts. Die Verantwortlichen sind sich einig, dass erst die Umsetzung des Crowdfundings erfolgreich abgeschlossen werden soll. Dann will der Verlag schauen, wie die Grüne Ebene angenommen wird. Und dann erst werde man über weitere Produkte entscheiden.

Trägt der Markt drei Aventurien-Linien?

Spätestens dann wird sich dabei die Frage mit neuem Gewicht stellen, ob der Markt drei parallele Aventurien-Produktlinien trägt – DSA5, Melliador und Dragonbane-Aventurien. Und es wird sich vor allem die Frage stellen, die Uhrwerk bei der Grünen Ebene umfassend beantwortet muss: Für wen ist das? Warum Dragonbane, wenn Melliador schon da ist?

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