Rezension: Mission Hornhai
In den Gassen und Katakomben der myranischen Hafenstadt Daranel spürt ein gelehrter Auftraggeber einem Fund von historischer Tragweite nach. Nun braucht er fähige Abenteurer, die sich für ihn ein wenig die Hände schmutzig machen. Gegen Bezahlung. Versteht sich. Was als Schatzsuche beginnt, führt die Helden in ein Geflecht aus Nachforschungen, Einbruch und Täuschung, bevor am Ende die Klingen sprechen werden.
- Titel: Mission Hornhai
- Verlag: Uhrwerk
- System: Myranor 5e
- Spielort: Hafenstadt Daranel, Region Koromanthia
- Erschienen: PDF April 2026; korrigiertes PDF angekündigt (Stand Juni 2026); Druck ausstehend
- Umfang: 48 Seiten
- Preis: 11,99 € (PDF)
Das Versprechen (und ob man es glauben darf): Der Einstieg nach Myranor
Katzenwesen? Check. Arkanomechanisches Wunderwerk? Check. An das antike Rom angelehnte Architektur? Check. Vertreter des Magieradels, die zu privaten Vernissagen laden und dabei Hors-d’œuvre reichen? Check.
Mission Hornhai ist ein Einsteigerabenteuer für das neue 5e-Myranor und verspricht einen niederschwelligen Einblick in die Abenteuerwelt. Wenn mit Einblick ein Schwenk über die Signature Moves eines typischen myranischen Stadt-Settings gemeint ist, dann erfüllt das Abenteuer alle Anforderungen mit Bravour (s.o.). Und wenn mit niederschwellig gemeint ist, dass die Spielgruppe durch ein überschaubare Drei-Phasen-Handlung geschleust wird (Nachforschung / Einbruch oder Täuschung / Kampf), die auch für Stufe-1-Helden und Myranor-Neulinge machbare Herausforderungen bereithält, dann trifft das Abenteuer auch diese Erwartungen voll.
Die einzige Lücke, die sich womöglich auftut, ist die zwischen Klappentext und dem eigentlichen Abenteuerkern. Der Klappentext klingt nach einem geradlinigen Schatzabenteuer, aber „Mission Hornhai“ ist eigentlich ein Informations- und Sozialgeschick-Abenteuer mit Kampf am Ende. Das sollte man wissen.
Was man sich gemerkt hat: Die Vielfalt der Meisterpersonen
Wie übersetzt man eigentlich Dramatis Personae? Personen der Handlung? Hauptfiguren? NSC? Vom Meister des Schwarzen Auges geführte Charaktere? Egal. Ihr wisst, was ich meine. Das entsprechende Kapitel in Mission Hornhai umfasst Beschreibungen von zwei Haupt- und zwei Neben-NSCs. Das klingt nicht nach viel. Aber es sind diese Beschreibungen, die das Abenteuer tragen. Besonders einprägsam: Der Antagonist, der Ewigkeiten Rache geschworen und dem alles untergeordnet hat, im Abenteuerfinale jedoch sein Antagonisten-Dasein ablegt und nur noch Leere empfindet.
Wo man fluchen wird: Das Verheddern der Ansätze
Mission Hornhai verspricht an mehreren Stellen fast sandboxartige Freiheit und listet vier, fünf Wege auf, wie die Gruppe an entscheidende Informationen gelangen kann. Der wahrscheinliche Ablauf dürfte deutlich schlanker sein: Auftraggeber schickt Gruppe zu A, A schickt Gruppe zu Ort X. Fertig. Alle anderen Wege sind Absicherungen für den Fall, dass die Gruppe scheitert oder den naheliegenden Pfad verlässt.
Das zweite Problem sind Personen und Handlungsstränge, die das Abenteuer einführt, aber nicht abschließt. Der Text räumt das offen ein, wenn er betont, dass die Helden gewisse Informationen vermutlich nie erfahren und es nur ein Aufhänger für weitere Abenteuer sein soll. Das ist Lore, die die Spielleitung kennen muss, ohne dass sie je jemand am Tisch zu sehen bekommt.
Was zwischen dem Buch und dem ersten Spielabend steht: Die Vorbereitung aufs Unerwartete
Sollte die Spielgruppe nicht unerwarteterweise hinter all die großen Geheimnisse schauen, ist nicht viel Vorbereitung für die Leitung des Abenteuers erforderlich. Es sei denn, die Schiffsreise nach Daranel, dem Handlungsort von Mission Hornhai, soll ausgespielt werden. Das braucht dann wahrscheinlich doch etwas mehr Überlegungen, als das Abenteuer auf zwei Seiten dazu zusammengetragen hat.
Für wen es ins Regal gehört:
Wer Myranor in seiner urban-sozialen Form kennenlernen möchte – nicht nur als Kulisse, sondern als erspielbarer Schauplatz mit einigen wunderbar ausgearbeiteten NSCs, die eine nachvollziehbare Agenda verfolgen –, sollte zu Mission Hornhai greifen. Wer Dungeon-Crawl und Monster-Geschnetzel sucht, ist hier falsch. Ein wenig Kampf kommt vor. Spaß werden aber vor allem die Spielerinnen und Spieler haben, die lieber reden als das Schwert schwingen.
