Die letzte Insel – Oder: Ein eigener Band für Maraskan
Maraskan also. Im Juni will Ulisses Spiele ein Crowdfunding starten, um die Veröffentlichung einer Regionalspielhilfe zur aventurischen Insel zu finanzieren. Das gab der Verlag kürzlich bekannt. Neben dem regelfreien Regionalband mit dem Titel „Maraskan – Insel der Zwillingsgötter“ werden Unterstützer wie bei anderen DSA-Crowdfundings von Ulisses die Möglichkeit haben, Begleitbände und andere Zusatzmaterialen zu bestellen.
Eine Insel, die aus dem Rahmen fällt
Die Entscheidung für Maraskan als nächste Region für eine Beschreibung überrascht ein wenig. Maraskan ist nicht nur die größte Insel Aventuriens, 650 mal 250 Meilen groß, sie unterscheidet sich auch deutlich von anderen Regionen der Spielwelt. Weite Teile sind von Dschungel bedeckt, das Klima schwül, vor allem ist die Fauna giftig.
Die Kultur ist geprägt durch Glaube und Philosophie, statt durch Herkunft, und die vorherrschende Religion mit den Zwillingsgöttern Rur und Gror grenzt sich vom Zwölfgötterglauben ab. Maraskan ist also anders, erklärungsbedürftig. Dennoch (oder vielleicht deswegen) fristet die Region bislang eher ein Schattendasein – auch in der DSA-Publikationshistorie.
Vier Jahrzehnte, kein eigener Band
In vier Jahrzehnten DSA-Geschichte hat die Region nie einen eigenen Regionalband bekommen. In der DSA1/2-Ära existiert die Region auf dem Papier, aber kaum als bespielbare Welt, zumindest nicht in Form einer detaillierten Spielweltbeschreibung. Ausführliches Material kam erst mit DSA3 im Jahr 1999 durch die Box Borbarads Erben. Mit 138 Seiten war darin die erste ausführlichere Beschreibung der Insel zu finden, allerdings eben nicht als eigenständiger Regionalband.
Ein solcher Regionalband kam auch mit DSA4 nicht, obwohl der Kontinent in der vierten Regeledition mit der Grünen Reihe systematisch erschlossen wurde. Vierzehn Bände erschienen zwischen 2003 und 2011. Maraskan war Band vierzehn, und teilte sich seine 254 Seiten mit Tobrien, Warunk und Beilunk; auf Maraskan entfielen 81 davon, knapp ein Drittel. Mehr als zehn Jahre nach dem Start von DSA5 wird diese Lücke nun geschlossen. Das Crowdfunding im Juni 2026 soll Maraskan erstmals im Rahmen eines eigenständigen Bandes beschreiben.
Vom Fremdeln zur Sehnsucht
In den Plänen für einen Maraskan-Regionalband spiegelt sich nicht nur die Ulisses-Produktstrategie, die Spielwelt in DSA5 noch ausführlicher und kleinteiliger zu beschreiben. Darin ist auch eine veränderte Wahrnehmung der Insel innerhalb der DSA-Community zu erkennen.
In den frühen Forendiskussionen — soweit sie noch nachvollziehbar sind — drehte sich die Debatte vor allem um die Frage, ob die Insel überhaupt nach Aventurien passt. Vor über 20 Jahren war es besonders das „Samurai-Ninja-Gehabe“, das manchen übel aufstieß. Viele fremdelten mit Maraskan.
Später verschob sich der Ton etwas. Eine kleine, treue Fangemeinde beschrieb Maraskan zunehmend als das Eigenständigste, was DSA zu bieten hat. Der Asboran-Blog startete eine mehrteilige Reiseführer-Reihe zur Insel. Das Fanprojekt kompensierte die als zu dünn kritisierte offizielle Materiallage zumindest teilweise
Das Fremdeln mit Maraskan erklärt sich aber auch durch seine Unzugänglichkeit. Dass die Region eigentlich nur aus Dschungel und Ninjas besteht, würden heute wohl nur noch die wenigsten DSA-Spielerinnen und -Spieler behaupten. Dafür ist das beschriebene Spektrum mittlerweile zu weit – so weit gar, dass es keine irdische 1:1-Schablone gibt, die trägt. Anders als andere aventurische Regionen wirkt die Region wie ein kultureller Hybrid: sichtbar fernöstlich inspiriert, in einzelnen Motiven aber auch mit anderen außereuropäischen Anklängen.
Dieses Anderssein erklärt vermutlich auch, warum eine ausführliche Regionalbeschreibung Maraskans so lange warten musste. Die Region ist schwer einzuordnen. Und was sich nicht einordnen lässt, wartet länger.

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