Star Trek Adventures: Zweite Chance
Während mancherorts für die Beschreibung einer obskuren Insel am Rande einer kleinen Spielwelt hunderttausende von Euro eingesammelt werden, geht ein wenig unter, dass woanders der Blick auf das große Ganze gewagt wird, auf die weiten Fernen, die unendlichen Weiten, den Weltraum. Auf Star Trek.
Wenige Tage nachdem Ulisses das Crowdfunding für Maraskan gestartet hat, startete der Uhrwerk Verlag sein neues Crowdfunding für die 2. Edition des Rollenspiels Star Trek Adventures (STA). Neben dem neuen Grundregelwerk sammelt der Verlag Geld für ein Spielleiterset und ein Einsteigerset. Kommen mehr als 30.000 Euro zusammen, wird auch ein Technisches Handbuch finanziert. Das Crowdfunding läuft noch bis zum 20. Juli 2026, aktuell haben etwas mehr als 110 Unterstützer rund 18.000 Euro zusammengetragen.
Star Trek Adventures erschien 2017 erstmals auf Englisch bei Modiphius. 2024 veröffentlichte der Verlag auf der GenCon, eine der größten und traditionsreichsten Rollenspiel- und Brettspielmessen der Welt in den USA, eine überarbeitete 2. Edition. In Deutschland hat der Uhrwerk Verlag die 1. Edition 2020 herausgebracht. Inzwischen liegen auf Deutsch zwei Grundregelwerke (eines mit Fokus auf die Föderation und eines auf das Klingonische Reich), Quadranten-Quellenbände, mehrere Missionssammlungen sowie diverse Einzelabenteuer vor.
Ein gutes Spiel, ein schlechtes Buch

Sieben Jahre nach dem Erscheinen eines Regelwerks eine überarbeitete Regeledition zu veröffentlichen, ist im Rollenspielbereich eher kurz. Es gibt Spiele, die neue Regeleditionen in sehr kurzem Abstand herausbringen wie Shadowrun, und Spiele mit zuletzt eher längeren Intervallen wie DSA, wo zwischen der 4. und der 5. Regeledition 14 Jahren liegen, und DSA5 nun auch schon seit elf Jahren auf dem Markt ist. Der Schnitt über alle Rollenspiele dürfte bei grob geschätzten acht bis zehn Jahren liegen. Warum hat Modiphius also nach eher kurzer Zeit bereits eine 2. Edition veröffentlicht? Die Antwort dürfte lauten: Weil die 1. Edition nicht wirklich gut war.
Das Grundregelwerk der 1. Edition sah besser aus, als es sich benutzen ließ. Das sogenannte LCARS-Design mit heller Schrift auf dunklem Grund war eine Hommage an die Konsolenästhetik der Next-Generation-Serie. Am Spieltisch (und für das Lesen abends im Bett bei Schummerlicht) war das Layout jedoch eine Zumutung. (Über die hässlichen Flecken, die meine Fettfinger zudem hinterlassen, schweige ich an dieser Stelle.)
Refit statt Neustart
Was aber noch schwerer wog: Die Bücher, sowohl Grundregelwerk als auch Quellenbände, wirkten mit ihrem Fokus auf Fluff-Texten zerfasert und unstrukturiert. Zu häufig waren Regeln und wichtige Spielinformationen verstreut und zusammengehörige Inhalte besonders im Regelwerk über Dutzende Seiten verteilt. Kritisiert wurde zudem eine inhaltlich fragwürdige Designentscheidung: Bodenkampf und Raumschiffgefecht bekamen zusammen im Grundregelwerk ein Vielfaches des Regelraums, den soziale Konflikte erhielten. Die Regeln dafür wurden zudem als unverständlich und unzureichend gescholten. Und das in einem Setting, dessen stärkste Momente traditionell durch Dialog, Diplomatie und wissenschaftliche Improvisation entstehen.
Die 2. Edition nun behebt das Offensichtlichste zuerst. Die Seiten sind weiß, die Schrift ist schwarz, das Layout wirkt deutlich aufgeräumter (Wer einen Eindruck bekommen möchte: Der Uhrwerk Verlag stellt hier den neuen Schnellstarter zum Download bereit). Auch die Struktur wird als klarer mit besser sortierten Regeln gelobt. Mechanisch ist es hingegen nur eine sanfte Anpassung und Straffung. Soziale Konflikte bekommen etwas mehr Raum und klarere Werkzeuge, doch die eigentliche Regelrichtung ändert sich nicht. Wer die erste Edition mochte, erkennt sein Spiel sofort wieder. Wer Star Trek Adventures in der 1. Edition wegen zu weniger klassischer Star-Trek-Mechanismen kritisiert hat, dürfte auch in der 2. Edition nur eingeschränkt glücklich werden.
