Was ein Crowdfunding zum Erfolg macht – Star Trek Adventures im Uhrwerk-Vergleich
Wann ist ein Rollenspiel-Crowdfunding eigentlich ein Erfolg? Eher nicht, wenn die angepeilte Finanzierungssumme erreicht wurde. Die Summen sind meist so niedrig angesetzt, dass sie eher den Start eines Crowdfundings als dessen Ziel markieren. Was aber kennzeichnet denn nun ein erfolgreiches Crowdfunding?
Am gestrigen Montag endete das Crowdfunding für die deutschsprachige Ausgabe der 2. Edition von Star Trek Adventures. 46.130 Euro von 251 Unterstützern hat der Uhrwerk Verlag über fünf Wochen eingesammelt. Das ursprüngliche Finanzierungsziel lag bei 10.000 Euro. Sieben von neun Bonuszielen wurden erreicht.
Der Verlag zeigt sich nach Abschluss des Crowdfundings zufrieden und spricht von einer „großen Summe Latinum“, die zusammengetragen wurde. „In diesem Sinne möchten wir uns ganz herzlich für das uns entgegengebrachte Vertrauen bedanken und sind sehr froh, dass wir mit euch allen gemeinsam die 2. Edition von Star Trek Adventures nach Deutschland bringen können.“
Fulminant gezündet – oder: Warp-Speed 8 bis 9 erreicht – hat das Crowdfunding gleichwohl nicht. Nun ist Star Trek nicht DSA, wo erst jüngst in einem Bruchteil der Zeit ein Vielfaches der Summe eingesammelt wurde. Aber auch verglichen mit anderen Uhrwerk-Crowdfundings liegt Star Trek mit einer erreichten Finanzierungsumme von 461 Prozent eher im Mittelfeld – oder sogar etwas darunter (wobei die Late-Pledge-Phase für Star Trek noch abgewartet werden muss, um wirklich vergleichbare Zahlen zu haben).
| Name | Eingesammelte Summe | Unterstützer | Finanzierungsziel | Prozent |
| Star Trek Adventures – 2. Edition | 46.130 € | 251 | 10.000 € | 461% |
| Das Schwarze Auge (ELF) – Melliador – Aventurien 5E | 169.940 € | 794 | 15.000 € | 1.133% |
| Vaesen – Mythische Karpaten & Die Stadt meiner Alpträume | 45.703 € | 303 | 10.000 € | 457% |
| Lex Arcana – Encyclopaedia und Aegyptus | 21.004 € | 177 | 7.500 € | 280% |
| Deponia: Das Rollenspiel Recycled | 89.626 € | 823 | 7.350 € | 1.219% |
| Mutant: Jahr Null – Ad Astra | 13.523 € | 150 | 5.000 € | 270% |
| Rückkehr nach Myranor | 177.703 € | 734 | 15.000 € | 1.185% |
| Starport – Rollenspiel für Kinder | 8.770 € | 172 | 4.000 € | 219% |
| Dragonbane – Deutsche Ausgabe | 102.495 € | 860 | 10.000 € | 1.025% |
| Blutmark und Bestien – Zwei Erweiterungen für die Verbotenen Lande | 47.474 € | 368 | 10.000 € | 475% |
| Vaesen – Mythisches Britannien und Irland | 48.339 € | 383 | 10.000 € | 483% |
| Fateforge – Deutsche Ausgabe | 25.662 € | 126 | 20.000 € | 128% |
| Charmante Schwertlesben | 17.820 € | 244 | 6.000 € | 297% |
| Die Hexenkönigin-Trilogie – Deluxe-Abenteuerband für Splittermond | 40.802 € | 317 | 5.000 € | 816% |
| Lex Arcana – Das Ewige Kaiserreich | 70.831 € | 544 | 7.500 € | 944% |
| Monsterjagd! – Rollenspiel für kleine und große Spürnasen | 26.119 € | 449 | 3.000 € | 871% |
| Die Frostweiten – Erweiterung für die Verbotenen Lande | 47.497 € | 420 | 7.500 € | 633% |
| RuneQuest – Rollenspiel in Glorantha | 46.555 € | 430 | 4.500 € | 1.035% |
Im Schnitt sammelt der Uhrwerk Verlag rund 58.000 Euro pro Crowdfunding ein, was – ebenfalls im Durschnitt – dem 6,6-fachen des ursprünglichen Finanzierungsziels entspricht. Die Spanne reicht dabei von 128 Prozent des Finanzierungsziels (Fateforge – Deutsche Ausgabe mit 25.662 Euro) bis zu 1.219 Prozent (Deponia: Das Rollenspiel Recycled mit 89.626 Euro). Nach oben gezerrt werden die Zahlen etwas durch die DSA/Myranor-nahen Projekte, bei denen der Verlag mit Rückkehr nach Myranor (1.185 Prozent und 177.703 Euro) und Das Schwarze Auge (ELF) – Melliador (1.133 Prozent und 169.940 Euro) deutlich mehr Geld als sonst üblich eingesammelt hat. Etwas aussagekräftiger ist daher der Median. Über alle 18 Crowdfundings hinweg lag dieser bei:
- 46.342 Euro eingesammelter Finanzierung von
- 376 Unterstützern bei
- 558 Prozent des ursprünglichen Finanzierungsziels
Star Trek mit seinen 46.130 Euro von 251 Personen und 461 Prozent liegt aktuell unter dem langjährigen Schnitt. Ist das Crowdfunding also ein Misserfolg? Nicht unbedingt. Die zweite Edition bringt kein neues Stark Trek Adventures. Die Überarbeitung zielt stark auf Layout-Verbesserung und weniger auf umfangreiche mechanische Regelverbesserungen. Manche Besitzer der 1. Edition dürften eher zurückhaltend auf die Finanzierung einer 2. Edition geblickt haben. Spötter würde daher sagen: 46.000 Euro in goldgepresstem Latinum für eine Politur, die ein bestehendes Produkt etwas hübscher glänzen lässt, ist ein Geschäft, bei dem vermutlich selbst Quark nicht unzufrieden wäre.

Ich sehe die Analyse anders.
Die 1. Edition ist vom Layout her ein Alptraum. Viele Regeln sind unverständlich und/oder gut versteckt und oftmals auch sperrig (z.B. Raumschiffkämpfe finden bei uns gar nicht statt).
Dass das Crowdfunding für die deutsche 2. Edition nicht mehr einbrachte, dürfte eher daran gelegen haben, dass die englische 2. Edition schon sehr lange veröffentlicht wurde und die deutsche Rollenspiellandschaft zumeist kein Problem mit der englischen Sprache hat.
Entsprechend mussten vor allem deutsche Besitzer der englischen 2. Edition überzeugt werden, die deutsche Fassung zu kaufen.
Aufgrund weiterer Layout-Verbesserungen und Einfügen der Errata und klareren Regeltexten scheint dies durchaus von einem gewissen Erfolg gekrönt gewesen zu sein.
Zugestanden. Es wird nicht nur den einen Grund gegeben haben. Zusammengenommen kann man aber wohl festhalten, dass es keine perfekten Bedingungen für ein Crowdfunding waren. Und da ist die eingesammelte Summe wohl ein solides Ergebnis.