Dragonbane trifft Aventurien: Die Grüne Ebene ist endlich da
Crowdfundings im Rollenspielbereich funktionieren ja meist so: Man findet was toll. Man bezahlt Geld. Man wartet. Und irgendwann später, manchmal auch viel später, liegt überraschend das halb schon vergessene Buch im Briefkasten. So ähnlich ging es mir dieser Tage mit Dragonbane und der Grünen Ebene.
Zweieinhalb Jahre sind seit dem Ende der Crowdfundingphase vergangen. Damit ist Dragonbane zwar nicht das langsamste Projekt, das ich bislang unterstützt habe, aber es fällt definitiv in die Es-kommt-alles-viel-später-als-gedacht-Kategorie.
Endlich angekommen
Im Juli immerhin verteilte der Uhrwerk Verlag das Preview des Grünen-Ebene-Buchs an die Finanzierer. Danach herrschte zwei Monate Stille, bis es diese Woche dann, nun ja, Schlag auf Schlag ging. Am Montag verkündete der Verlag, dass das Buch in den Druck geht und voraussichtlich zur Spielemesse in Essen erhältlich sein wird. Am gestrigen Dienstag dann landete die Email mit der schönen Überschrift „Die Grüne Ebene ist da!“ in meinem Briefkasten. Seitdem halte ich das PDF des Buchs in meinen virtuellen Händen.
Die Grüne Ebene ist neben der übersetzten und bereits veröffentlichten Dragonbane-Box der zweite zentrale Baustein des deutschen Dragonbane-Crowdfundings. Während die Box das Fantasy-Rollenspiel von Free League, dem schwedischen Verlag hinter Dragonbane, selbst ins Deutsche bringt, liefert dieser Regionalband die aventurische Anbindung. Die Grüne Ebene ist dabei Regelergänzung und DSA-Regionalspielhilfe für die bislang kaum beschriebene Region im aventurischen Nordosten rund um die Stadt Travingen. Angekündigt war die Veröffentlichung im Rahmen des Crowdfundings übrigens mal für das vierte Quartal 2024 und mit einem Umfang von 128 Seiten. Beides wurde schnell kassiert.
Vom schmalen Band zum Wälzer
Nicht nur die freigeschalteten Bonusziele haben das Buch deutlich anwachsen lassen. Die finale Version kommt nun auf 280 Seiten. Der eigentliche Regelteil, mit dem die Dragonbane-Regeln für Aventurien angepasst werden, ist mit der Beschreibung aventurischer Charaktere (Völker und Berufe) und einzelner Regelmechanismen (Zauber und Liturgien inkl. eigener Fehlschlagtabellen) mit nicht mal 40 Seiten der kleinere Teil des Buches. Die Beschreibung der Grünen Ebene als Setting mit Geschichte, Kultur, einzelnen Orten, einem Bestiarium und Herbarium und anderen Inhalten ist dagegen mit rund 120 Seiten der eigentliche Kern des Bandes. Abgerundet wird die Grüne Ebene (neben Anhängen etc.) durch 90 Seiten mit sieben ausgearbeiteten Abenteuern und einem ausführlichen Kapitel mit Geheimnissen der Grünen Ebene und ihrer Bewohner.
Die Grüne Ebene wird von den Autoren als vollwertige aventurische Regionalspielhilfe für alle Editionen von DSA und als Quellenband für Dragonbane angepriesen. Über das Buch sind zahlreiche Gebrauchsanleitungen verteilt, die sich an Dragonbane-Einsteiger wie auch an DSA-Veteranen richten. Als DSA-Quellenband soll es am besten für Aventurien ab etwa 1045 BF funktionieren, ohne auf diese Zeit festgelegt zu sein. Wer die Grüne Ebene mit Dragonbane-Regeln bespielen möchte, braucht dafür das im Juni 2026 beim Uhrwerk Verlag veröffentlichte Dragonbane-Regelwerk.
Nostalgie statt DSA-Bombast
Die Grüne Ebene ist damit grundsätzlich völlig losgelöst von DSA spielbar. Wer Aventurien ignorieren möchte, kann das tun. Wirklich interessant dürfte Die Grüne Ebene gleichwohl für DSA-Spielerinnen und -Spieler sein, denen die aktuellen DSA-Regeln nicht mehr zusagen, die sich Aventurien aber aus Nostalgie, Interesse oder auch Leidenschaft verbunden fühlen. Besonders der Nostalgie-Faktor wird betont.
Die Region basiert auf dem 1988 erschienenen DSA-Abenteuer „Schatten über Travias Haus“ von Hadmar von Wieser. Im Geleitwort zur Grünen Ebene schildert er die Entstehung dieses Abenteuers, das damals bewusst ein Sandbox-Ansatz als Gegenentwurf zu spektakulären Plots gewesen sei. Daran knüpft der Uhrwerk Verlag nun mit der Grüne Ebene an. Es soll eine offene Region bleiben, die zu Entdeckung einlädt, und der Spielerinnen und Spieler „ihren Stempel aufdrücken“ können.
Zweieinhalb Jahre nach dem Ende des Dragonbane-Crowdfundings und 38 Jahre nach „Schatten über Travias Haus“ öffnet sich abseits des DSA-Bombasts mit der Grüne Ebene ein niederschwelliges und leicht zugängliches Angebot, Aventurien (wieder) zu entdecken.
