Kritik von innen: Franz Janson über Crowdfunding, Verzögerungen und Freiberufler
Franz Janson, Chefredakteur der deutschen Dragonbane-Ausgabe beim Uhrwerk Verlag, hat sich im Interview bei SteamTinkerers Klönschnack kritisch zur Crowdfunding-Praxis im Rollenspielbereich geäußert. „Aus meiner Sicht wird zu viel über Crowdfunding gemacht“, sagte Janson im Gespräch mit Mirco von SteamTinkerer. Ohne Namen zu nennen kritisiert er Verlage, die Crowdfundings als „reine Werbemaßnahme“ nutzen oder als Vertriebsweg für Direktverkäufe, um durch Umgehung des Zwischenhandels ihre Marge zu optimieren.
Dragonbane, das Janson als Verantwortlicher des Verlages betreut, ist als Grundbox am 25. Juni 2026 auf Deutsch erschienen. Die Übersetzung hatte der Uhrwerk Verlag Ende 2023 selbst per Crowdfunding finanziert und dafür über 100.000 Euro eingesammelt. Als Auslieferungstermin war ursprünglich das dritte Quartal 2024 angepeilt. Die Verzögerung von fast zwei Jahren wurde in Foren und Blogs ausführlich und kritisch kommentiert.
Im Interview äußert der Dragonbane-Chef Verständnis für die Unzufriedenheit, verwies aber darauf, dass Verzögerungen bei Crowdfundings häufig vorkämen. Er selbst habe an etwa 70 Rollenspiel-Crowdfundings teilgenommen und „über die Hälfte hat die anvisierte Zeit mehr als verdoppelt gerissen“. Crowdfundings seien aus seiner Sicht vor allem für diejenigen gemacht, die ein Projekt finanzieren wollen und sich freuen, wenn irgendwann ein Paket komme. Jemand, der bei kleineren Verzögerungen nervös werde, sollte in seinen Augen nicht an Crowdfundings teilnehmen.
Verzögerungen erklärt Franz Janson damit, dass die deutsche Rollenspielszene in vielen Bereichen nicht nach den üblichen marktwirtschaftlichen Kriterien funktioniere. Ein großer Teil der Arbeit werde nebenbei mit viel Enthusiasmus von Freiberuflern erledigt, für die diese Tätigkeit aber mehr Hobby als Beruf sei. Verlagen fehlen laut Janson strukturell Mittel, um Zeitpläne und Arbeiten zu beschleunigen. Sie seien stattdessen darauf angewiesen, dass freie Mitarbeiter ausreichend Zeit und Engagement einsetzten. An seinem eigenen Projekt benennt Janson die Schwachstelle einer solchen Branche. Verlage hätten selbst angesichts langer Verzögerungen wenig Möglichkeiten, freie Mitarbeiter zu mehr Arbeit zu verpflichten. Hätte der Uhrwerk Verlag ihn zu mehr Tempo aufgefordert, hätte Janson gesagt: „Kann ich nicht, das ist nicht mein Beruf. Ich mach das nebenbei.“

Ironischer Weise liefert Franz das entscheidende Gegenargument für sein Plädoyer. Das ist nicht böse gemeint Franz gegenüber, den ich sehr schätze, sondern es verdeutlicht das Dilemma des Rollenspiel-Business.
„Verzögerungen erklärt Franz Janson damit, dass die deutsche Rollenspielszene in vielen Bereichen nicht nach den üblichen marktwirtschaftlichen Kriterien funktioniere. Ein großer Teil der Arbeit werde nebenbei mit viel Enthusiasmus von Freiberuflern erledigt, für die diese Tätigkeit aber mehr Hobby als Beruf sei. Verlagen fehlen laut Janson strukturell Mittel, um Zeitpläne und Arbeiten zu beschleunigen. Sie seien stattdessen darauf angewiesen, dass freie Mitarbeiter ausreichend Zeit und Engagement einsetzten.“
Genau an dieser Stelle bekommen die Crowdfundings oder Vorbestellungen ja ihre wichtige Bedeutung für die Verlage: Es ist ein Werkzeug nicht nur des Marketings und der Finanzierung, sondern auch des Risikomanagements. Natürlich führt Direktverkauf zur „Optimierung der Marge“, aber das ist auch erforderlich, weil das Rollenspielverlagsgeschäft ein unprofessionelles, und unrentables Geschäft ist.