Rollenspieler und Sexismus

Hat die Pen&Paper-Szene ein Problem mit Sexismus? Selbstverständlich hat sie das.

Vor einigen Tagen schrieb Anna auf ihrem Blog über ihre Erfahrungen und Beobachtungen bei der (Online-)Suche nach neuen Mitspielerinnen und Mitspielern für eine Pen&Paper-Runde. Die Kernaussage des (lesenswerten) Textes: In der deutschen Rollenspielszene tummeln sich vorwiegend Männer, viele davon haben ein Problem mit Frauen, was Frauen wiederum vom Rollenspiel abhält.

Annas Bericht hat in der überschaubaren Rollenspielszene hohe Wellen geschlagen. Auf Facebook wurde er innerhalb kürzester Zeit hundertfach kommentiert. Viele der Kommentare waren kritisch bis ablehnend.

Nun hat Anna in ihrem Text von ihren persönlichen Erfahrungen bei der Online-Suche nach Rollenspielerinnen und Rollenspielern berichtet. Annas Erfahrungen lassen sich nicht verallgemeinern, genauso wenig müssen alle ihre Schlussfolgerungen richtig sein. Ihr Erfahrungsbericht hätte jedoch Anlass sein können, um über ihre Beobachtungen zu reden, den möglichen Problemen auf den Grund zu gehen und sich und die Szene vielleicht selbstkritisch zu hinterfragen.

Genau das jedoch passiert kaum bis gar nicht. Hunderte von Facebook-Kommentare gibt es. Und nahezu jeder Kommentar passt in eine der fünf folgenden Kategorien:

  • Kann ich überhaupt nicht bestätigen. Hab ich so noch nie erlebt. Ist bei uns kein Problem. (Aussage von Männer)
  • Habe ich auch schon erlebt. (Aussage von Frauen)
  • Viel zu langer Text. Hab nur 1/3 gelesen. Ist aber alles Quatsch.
  • Die Frau hat das Konzept Rollenspiel noch nicht verstanden. Ich erklär ihr das jetzt mal.
  • Linksgrünversiffter Gendermainstreamfeministenmüll!!1!!! *geifer*

Wäre es nicht so traurig, hätte es große Komik.

In all ihrer gekränkten Selbstherrlichkeit merken vor allem die verbal wild um sich schlagenden Männer gar nicht, wie sie jede von Annas Beobachtung bestätigen. Wer nach Annas Erfahrungsbericht noch Zweifel hatte, ob es in der Rollenspielszene Sexismus gibt, wird auf Facebook schnell eines Besseren belehrt. Die Rollenspielszene hat ein Problem mit Sexismus.

Die Frage ist, wie groß ist das Problem. Facebook und Twitter sind glücklicherweise nicht repräsentativ. Selbst unter den Facebook-Kommentatoren gibt es einige, die sehr ausgewogen und lesenswert schreiben. Die Hoffnung ist, dass es abseits des üblichen Internet-Gegeifers viel mehr vernünftige Menschen gibt.

Ansonsten gilt das, womit Anna ihren Text geschlossen hat: Sich im Stillen mal ein paar Fragen stellen. Was trifft zu von ihren Beobachtungen? Kenne ich das? Wo drücke ich vielleicht ein Auge zu? Was könnte jemanden davon abhalten, in meine Runde oder in das Hobby Rollenspiel einzusteigen?

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