Warum ist Fantasy beliebter als Science Fiction?

Nova-Milchstrasse
Das Universum von Nova – eines der wenigen deutschen SciFi-Rollenspiele

Science-Fiction-Rollenspiele sind eine Seltenheit. Gerade mal eine Handvoll Spiele gibt es aktuell auf Deutsch. Ein Phänomen, das sich offenbar nicht nur auf den Bereich der Pen&Paper-Rollenspiele beschränkt. Das SZ-Magazin beklagte dieses Jahr bereits den Mangel an Science Fiction und die Dominanz der Fantasy im Kino und in den Buchhandlungen.

Im SZ-Magazin 22/2013 hatte Autor Andreas Bernard die populärsten Werke der vergangen zehn bis 15 Jahren Revue passieren lassen und dabei eine Grundtendenz erkannt: Die Imaginationen richtet sich nicht mehr in die Zukunft, sondern in eine entfernte Vergangenheit. Den Ton geben Werke wie Der Herr der Ringe, Game of Thrones aber auch Harry Potter oder die Twilight-Serie an. Fantasy statt Science Fiction.

Für diese Entwicklung liefert Andreas Bernard zugleich den Versuch einer Erklärung. Antrieb für die Gestaltung des Fantastischen seien zumeist kollektive Ängste. Hinter jeder großen Geschichte stünde ein Unbehagen über gegenwärtige Zustände. Viele Kollektivängste jedoch, die einst zu großen Science-Fiction-Geschichten geführt haben, sind heute verblasst. Die Schreckensbild der nuklearen Auslöschung ist ebenso verschwunden wie die Furcht vor künstlich gezüchteten Menschen. Die Gefahr eines staatlichen Überwachungsstaats treibt heute nicht mehr Hunderttausende auf die Straße, wie noch der Protest gegen die Volkszählung in der 80er Jahren. Die heutigen Ängste sind anders.

Den Antrieb für heutige Fantasien findet Andreas Bernard in der drohenden Erschöpfung in einer auf Wettbewerb ausgerichteten Gesellschaft. In der Angst vor Vereinzelung sieht er eine Erklärung für den Erfolg der Fantasy. Fantasy-Welten würden als übersichtlicher und solidarischer wahrgenommen. Sie lieferten Orientierung und Gemeinschaft in einer zunehmend unübersichtlichen und individualisierten Welt.

Fantasy-Rollenspiele würden vor dem Hintergrund dieser Erklärung das Bedürfnis nach Orientierung und Gemeinschaft besonders konsequent bedienen. Spiele wie Das Schwarze Auge leben von ihrer umfassend und detailliert ausgearbeiteten Fantasiewelt. Diese Totalität der Weltbeschreibung verschafft den Spielern laut Andreas Bernard Identifikation. Zudem bedienen die auf ein gemeinschaftliches Spielerlebnis ausgerichteten Rollenspiele den Wunsch nach Zugehörigkeit. Dieses Gemeinschaftsgefühl wird durch die rund um die Spiele entstandene Community noch verstärkt.

Gegen diese wohlige Fantasy-Heimat tut sich die techniklastige Science Fiction mit ihren utopischen Visionen und offenen Fragen sichtlich schwer. Und das wird sich wohl auf absehbare Zeit auch nicht ändern.

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