5 Jahre DSA5 – Die Regionalbeschreibungen

5 Jahre DSA5- Die Regionalbeschreibungen

An einem schwülheißen Apriltag im Jahr 2041 öffnet Martin S. die Haustür. Es dauert einen Moment, bis sich seine Augen an das grelle Sonnenlicht gewöhnen. Doch dann huscht ein Lächeln über sein Gesicht. ‚Da bist du ja endlich‘, murmelt er und Sehnsucht liegt in seiner Stimme. Langsam schiebt er seinen Rollator ins Freie. Für einen Moment schweift sein Blick über den Himmel, doch die Paketdrohne ist natürlich schon lange nicht mehr zu sehen.

Eine Hand auf den Rollator gestützt beugt sich Martin S. vor und hebt das Paket auf, behutsam, fast liebevoll. Der Augenblick, auf den er so lange gewartet hat. ‚Mein Schatz‘, flüstert er mit verstellter Stimme; dann muss er kichern. Könnte sein Enkelin ihn jetzt sehen, sie würde sich mal wieder über das Verhalten ihres Opas wundern. Doch die ist auch keine Liebhaberin klassischer Fantasyfilme.

Das Paket fest an seine Brust gedrückt schließt Martin S. die Haustür. Endlich. Der finale Band 30. In der Sonderedition: eine Printausgabe auf echtem Papier. Frisch vom Drucker. Oldschool. Damit ist seine Sammlung der DSA5-Regionalbeschreibungen komplett. Es hat nur knapp drei Jahrzehnte gedauert.

Sieben Regionalbeschreibungen sind in der 5. Regeledition des Schwarzen Auges bislang erschienen. Keines dieser Bücher ist schlecht. Die Bewertungen der Bände schwanken – abhängig von der individuellen Erwartungshaltung – zwischen solide und richtig gut.

An den einzelnen Büchern gibt es selten etwas auszusetzen. Und doch stellt sich irgendwann Ernüchterung ein. Die allmählich länger werdende Reihe von DSA5-Regionalbeschreibungen fördert ein interessantes Phänomen zutage: Das Ganze ist weniger als die Summe seiner Teile.

Die Regionalbeschreibungen von DSA5 fügen sich nicht zu einem coolen Setting, sondern versprühen in ihrer Gesamtheit den Charme von Aktenschränken. Mit jeder gelesenen Regionalbeschreibungen wird die Lust auf DSA5 nicht größer, sondern kleiner.

Von der Einförmigkeit zur Eintönigkeit

Die Einförmigkeit in Aufbau und Inhalt der Regionalbeschreibungen mag die Übersichtlichkeit erhöhen. Sie verstellt jedoch den Blick auf das Besondere einer Region, auf die Abenteueraufhänger und auf das, was in der Region den Spaß ins Spiel bringt. Oder wie Orkenspalter-TV anlässlich der Thorwal-Spielhilfe fragte: „Wird jede Rezension einer Regionalspielhilfe sich so gleichförmig anfühlen?“

Vermutlich schon. Wer mehr als einen Band gelesen hat, bekommt irgendwann den Eindruck, dass hier fleißige Verwaltungsangestellte pflichtschuldig ihre Listen abarbeiten.

Weg & Steg? Check. Handwerk & Technik? Check. Maße & Gewicht? Check.

Kleinteilung verstellt den Blick auf Abenteuer

DSA5 - Die KleinteiligkeitDie immer kleinteiligere Beschreibung Aventuriens fördert zudem den Eindruck, dass es mit den Regionalbeschreibungen gar nicht mehr um das Spiel in einer abenteuerlichen Spielwelt geht. Regionalbeschreibungen beschränken sich immer stärker auf einzelne Kulturen oder Völker, die dafür umso ausführlicher dargestellt werden.

Die Dynamik einer Region entsteht aber nicht zuletzt aus der Interaktion unterschiedlicher Mächte, Völker und Kulturen. Unter der immer enger werdenden thematischen Ausrichtung der Regionalbände aber leidet die Beschreibung dieser Spannungsfelder. Regionalbände beschneiden sich damit selbst um Möglichkeiten, Besonderheiten und Abenteuermöglichkeiten einer Region vorzustellen.

Statt Abenteueraufhänger und Spielrelevanz steht die möglichst umfassende Darstellung einer Kultur oder sehr eng gefassten Region in all ihren Facetten im Mittelpunkt eines Bandes. Die Beschreibung der Region verkommt damit zum Selbstzweck.

Die Freude an der Beschreibung

Wenn Regionalbeschreibungen aber nur noch Selbstzweck sind, erscheint immerhin die Produktpolitik von Ulisses Spiele weniger erratisch. Sieben Regionalbeschreibungen sind in mehr als fünf Jahren DSA5 veröffentlicht worden. Geht es in diesem Tempo weiter, dürfte die letzte DSA5-Regionalbeschreibung in 15 bis 20 Jahren zu erwarten zu sein.

Wären die Regionalbände tatsächlich Spielmaterial, wäre diese Produktpolitik nicht nachvollziehbar. Wer wartet schon nahezu eine Generation, bis endlich das Spielmaterial zur eigenen Wunschregion erscheint?

Doch die DSA5-Regionalbeschreibungen dienen nicht dem Spiel. Sie richten sich an Leser und Sammlerinnen, nicht an Spieler und Spielerinnen, schon gar nicht an Einsteiger ins Rollenspiel. Die Zielgruppe der Regionalbände sind die Menschen, die sich an der immer detaillierter werdenden Beschreibung Aventuriens erfreuen. Solange diese Gruppe groß genug ist, wird diese DSA5-Produktpolitik funktionieren. Selbst im Jahr 2041.

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