Mitstreiter gesucht
Alte Anzeigenrubrik im Aventurischen Boten
Die Suche nach neuen Mitspielern für eine DSA-Runde erfordert nur wenige Mausklicks. Zahlreiche Webseiten verfügen über Rubriken, in denen Spielgruppen nach Spielern und Spieler nach Spielgruppen suchen können. Das ist einfach, erprobt und häufig erfolgversprechend.

Kürzlich unterhielt ich mich mit einer Nicht-Rollenspielerin über Das Schwarze Auge. Dabei kam das Gespräch auf die Suche nach neuen Spielern oder Spielgruppen. Etwas unvermutet stellte sie mir dabei folgende Frage:

„Wie war das eigentlich mit der Spielersuche bevor es das Internet gab?“

Gute Frage. Wie war das eigentlich?

Meine diesbezüglichen Erfahrungen aus dem prä-digitalen Zeitalter sind leider begrenzt. Wir hatten nie einen Mangel an Spielern zu beklagen. Unser Problem war eher ein Überfluss an Spielwütigen. Irgendwer kannte immer irgendjemanden der gerne mal mitmachen wollte. Der Kreis der Stammspieler wurde regelmäßig durch ein bis fünf Gelegenheitsspieler ergänzt. So gerieten wir nie in die Verlegenheit, aktiv nach Spielern suchen zu müssen.

Aber ob das bei allen anderen Spielrunden so ausgesehen hat? Wahrscheinlich nicht.

In dieser grauen Vorzeit erfolgte der Kauf von DSA-Produkten natürlich noch nicht über Online-Versandhändler. Wer ein neues Abenteuer erstehen wollte, wählte dazu ganz klassisch den Gang in ein Ladengeschäft. Erst Anlaufstelle waren Fantasy-Shops. Und wenn mich mein Gedächtnis nicht völlig trügt, gab es dort eine Art „Schwarzes Brett“.

Ob dies der Ort war, an dem nach neuen Spielern gesucht wurde?

Im Aventurischen Boten gab es bis vor einigen Jahren zudem eine Rubrik „Mitstreiter gesucht“. Diese wurde zwar mittlerweile von der digitalen Revolution geschluckt, doch in früheren Zeiten haben dort einzelne Spieler oder Spielgruppen nach Verstärkung gefahndet. Aber diesen Weg der Spielsuche kann ich mir bestenfalls als ergänzende Möglichkeit vorstellen.

Ich halte also fest: Schwarze Bretter und Kleinanzeigen im Aventurischen Boten. Mehr nicht?

Vielleicht gab es in diesen goldenen Rollenspiel-Jahren tatsächlich so viele Spieler, dass eine aufwändige Suche nach Mitstreitern überflüssig war. Oder wie ich oben schon schrieb: Irgendwer kannte immer irgendjemanden. Ob das die Antwort sein kann? Ich weiß es nicht…

10 Kommentare zu “Spielersuche im prä-digitalen Zeitalter

  1. Zufallsbegegnungen: Man hat sich mit Leuten über seine Hobbys unterhalten. In der Schule, auf Partys, an der Uni. Man hat festgestellt, dass man ein komisches Hobby gemeinsam hat. Oder man hat Neueinsteiger für seinem komischen Hobby interessiert.

    Cons: Ein paar Wochen vor meinem Studium habe ich auf einem Con sehr sympathische Leute aus meiner zukünftigen Uni-Stadt kennen gelernt. Ich hatte dann dort schon eine Gruppe klar, noch bevor ich eine Wohnung hatte oder irgendeinen Plan, was ich an der Uni mache.

    Ich glaube, ich habe noch kein einzigesmal Spieler übers Internet gesucht. Höchstens mal die Gelegenheit genutzt, mit jemandem, den ich aus einem Forum kannte, auf einem Con mal zu zocken und zu quatschen.

    1. Stimmt, Cons, die habe ich ganz vergessen. Aber die gab es natürlich früher auch schon – auch wenn ich keinen besucht habe.

  2. Ich bin über die Familie daran gekommen. Seltsamerweise ist bei uns das Interesse an Mittelalter familiär weit verbreitet und einer aus der Familie war DSA Spieler.

    Der Rest ergab sich über Schule. Dort war es aber so, daß zwar kein Rollenspieler vorhanden war, aber alle schonmal von DSA gehört haben. Und das Spiel vesprühte einen Reiz, weil es eben “anders” und freier war. Wie es dann dazu kam, daß wir auf einmal einen Haufen DSA Boxen hatten und zu 6 im Keller gezockt haben, weiss ich selbst nicht mehr. Ich kann mich aber auch erinnern, daß die Fluktuation sehr hoch war. Manche waren nach 1 mal gar nicht mehr dabei.

    Mindestens einer kannte dann noch Leute aus anderen Runden, wo man dann mal mitgespielt hat. Bei einer ist man dann hängen geblieben.

    Ganz ohne Schwarze Bretter und Cons
    Jeder hatte zwar seine eigenen Ansprüche und Vorstellungen gehabt, ohne sie mit den anderen zu kommunizieren, jedoch war der Verschleiss trotzdem wesentlich geringer als später über Internetnachfragen, wo 4 von 5 Leuten nicht zu gebrauchen waren und teilweise extrem unhöflic unzuverlässig waren.
    Im persönlichen Kontakt merkt man eben doch ziemlich schnell was zusammen passt und was nicht.

  3. DAMALS hab ich noch DSA gespielt, ergo erlaube ich mir hierzu eine Antwort.

     

    Man hat in der Schule seine Kumpels gefragt, ob sie Lust hätten – später im Studium* halt die Kommilitonen. Aushänge im FLGS, auch gerne mal 80km entfernt (unsere langjährige Traveller Runde war 80km verstreut, unsere MERS Runde 70), und Anzeigen in Fanzines haben auch geholfen, allgemein blieben die Gruppen aber auch “ewig” zusammen, weil man nicht wusste, mit wem man sonst spielen sollte.

    *als ich zu studieren begann war ich gefühlt der einzige Rollenspieler im Ort – also Aushänge gemacht, Komilitonen “Zwangs”verpflichtet, 3 CONs veranstaltet und irgendwann lief es von alleine.

  4. Die erfolgreichse Suchaktion lief bei mir tatsächlich über einen Aushang an einem Schwarzen Brett. Das war zwar nicht “bevor es das Internet gab”, aber 2002 immerhin “bevor mir klar war, welche Möglichkeiten das Netz in dieser Richtung bietet”. Der Heidelberger Rollenspielladen “Heidelbär” (heute der Heidelberger Spieleverlag) hatte so ein Schwarzes Brett, und obwohl wir DSA-Spieler suchten, nagelten wir eine aus Baldurs Gate geklaute Grafik dran mit unseren Portraits und der dem Satz “We must gather our party before venturing forth” oder so. Eigentlich ziemlich peinlich. Gemeldet hat sich dann auch ein DnD Spieler. Christian Praetorius konnten wir dann aber noch von DSA begeistern und heute spielt er komischen DSA Fanfilmen den Helden.

  5. Ich hatte zwar zu Zeiten meiner ersten DSA-Runde schon Internet, bin aber auch immer über zufällige Unterhaltungen, aufgeschnappte Gespräche in der Schule und ähnliches an neue Gruppen oder Gruppenmitglieder gekommen. Oder jemand anderes aus der Spielrunde kannte jemanden. Oder wir haben ganz unerfahrene Freunde rekrutiert. Hat alles irgendwie geklappt.

     

    @Mendrek:
    Ich finde den Spruch ziemlich cool. Aber unser Humor ist wohl einfach gleich peinlich. 😉

  6. Zitat von Sammelwütiger:

    “allgemein blieben die Gruppen aber auch “ewig” zusammen, weil man nicht wusste, mit wem man sonst spielen sollte.”

    Ich glaube genau da liegt auch der Hund begraben. Noch vor 15 bis 20 Jahren hatte keiner von uns ein Auto, auch keinen Führerschein und das Geld, das man für die Fahrt zur Con bezahlt hätte, konnte man besser in Spielmaterial investieren. Abgesehen davon, dass es eh keine ordentliche Con im Norden (im Sinne von SH) gab!

    Das führt dann unvermeidlich dazu, dass man sich etwas scheut, mit wildfremden Menschen zu spielen. Man hat ja innerhalb einer Gruppe schon eine gewisse Vorstellung davon, wie so ein Abend/Tag/Wochenende abzulaufen hat – da können Aussenseiter ja nur stören!

    Und wenn man mal ehrlich ist, spielt man doch am liebsten und besten mit denen zusammen, die man lange kennt und so gibt es eben auch Gruppen (wie unsere, obschon wir zwischendurch fluktuieren), die nach 10 Jahren noch zusammenspielen. Mit der gleichen Stammbesetzung.

    1. Dabei gab es “früher” (=in den 1990ern) weit mehr Cons als heute, zumindest in der Region, wo ich mich schwerpunktmäßig rumgetrieben habe. Vielleicht war es auch da ohne Internet schwieriger, an die entsprechenden Infos zu kommen. Wenn man aber erstmal einen entdeckt hatte, lagen da schon die Flyer für die nächsten in Nah und Fern.

      Viel auf Cons unterwegs war ich allerdings erst, als Führerschein und etwas mehr Geld (und das damals neue und noch sehr günstige Wochenendticket!). Das war dann auch die Zeit, wo wegen Umzug neue Mitspieler her mussten. Zu Schulzeiten habe ich tatsächlich mit Leuten gespielt, die ich größtenteils sowieso kannte und die z.T. mit mir mit dem Scheiß angefangen hatten.

      Heutzutage stecke ich der Bahn übrigens Unmengen Geld in den Rachen, um mit “den ewig gleichen Leuten” zu spielen. Direkt aus meiner Stadt kommt kein einziger meiner Spieler. Ich bin heute neuen Spielern gegenüber wesentlich reservierter als früher. Muss wohl der Altersstarrsinn sein.

  7. Bei mir lief das auch nur über persönliche Kontakte. Ich spiel eigentlich auch schon zehn Jahre lang mit den gleichen Leuten. Wobei ich als letzter dazu kam, die anderen spielen glaub ich schon mehr als 15 Jahre zusammen.

    Das ist momentan so unsere Kerntruppe und ab und an kommt jemand dazu oder es bilden sich abhängig vom System das gerade gespielt wird neue Konstellationen.

  8. Ich spiele seit über 20 Jahren mit den gleichen Freunden. Wir kennen uns aus der Schule und nie hatten wir Bedarf nach neuen Mitspielern. Zwischendurch war es etwas schwierig, wenn 3 Leute in Hamburg wohnen, zwei im Rheinland und eine in Heidelberg. Aber da wir sowieso nur so 3-4 Mal pro Jahr gespielt haben, ist es auch nicht weiter aufgefallen, wenn es dann nur noch 2 Mal waren.

    Inzwischen sind wir wieder in Hamburg vereint und versuchen zumindest alle 1-2 Monate zu spielen.

    Kurz: wir haben noch nie irgendwo Mitspieler gesucht.

    Matze

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere