Bestiarium-Kartenset zwischen Anspruch und Realität

Kartenset Aventurisches BestiariumDas Kartenset zum Aventurischen Bestiarium ist für DSA ein kleines Novum. Es bildet den Auftakt einer Kartenset-Reihe, die in kompakter Form eine Übersicht wichtiger Spielwerte und Regelelemente liefern. Das Set zum Aventurischen Bestiarium enthält alle Tiere, Kreaturen und Gegner des DSA5-Regelwerks, des Aventurischen Almanachs und des Aventurischen Bestiariums. Auf den 120 Karten sollen „alle relevanten Spielwerte“ des Wesens abgedruckt sein. Das zumindest hat Ulisses angekündigt – und an genau dieser Ankündigung scheiden sich nun die Geister.

Im Ulisses-Forum entzündete sich Kritik daran, dass auf den Karten zwar einzigartige Sonderaktionen der Kreaturen erwähnt werden, die für den Einsatz notwendigen Spielwerte allerdings fehlen. Wichtige Sonderregeln wie die betörende Wirkung des Ikanaria-Schmetterling beispielsweise oder die Auswirkungen des Mantikorgiftes stehen nur im Bestiarum, nicht aber auf den Karten. Die Karten blieben daher hinter der Ankündigung zurück, alle relevanten Spielwerte zu enthalten. Dadurch könne das Set das Buch nicht ersetzen, wodurch das grundlegende Konzept nicht funktioniere.

Ulisses-Redakteur Alex Spohr verteidigte hingegen die Gestaltungen des Kartensets. Diese sei vor allem als Beiwerk zum Bestiarium gedacht und nicht mit dem Ziel entworfen worden, das Buch komplett in Kartenform wiederzugeben. Für die Sonderregeln benötige man weiter das Bestiarium, so Alex Spohr im Ulisses-Forum.

Was ist davon zu halten?

Allein aus wirtschaftlicher Sicht ist das Vorgehen von Ulisses nachvollziehbar. Wäre das Kartenset ein vollständiger Ersatz des Bestiariums geworden, hätte so mancher Spieler womöglich statt dem Buch das deutlich günstigere Kartenset gekauft. Auch praktische Überlegungen sprechen dagegen. Auf den Karten ist schlicht nicht ausreichend Platz für die länglichen Ausführungen der Sonderregeln.

Das eigentliche Problem des Kartensets ist jedoch ein grundsätzliches DSA-Problem: Zu viele Regelelemente werden über zu viele DSA5-Publikationen hinweg verstreut. Anstatt die Regeln auf die Regelbücher zu beschränken, enthalten Abenteuer Regeln für einzelne Spielszenen, werden Meisterpersonen je nach Anforderung mit neuen Fertigkeiten ausgestattet und bekommen Kreaturen in einem Kreaturenbruch einzigartige Kampfähigkeiten verliehen.

DSA5 beschreitet wie DSA4 den Weg, immer mehr Details der Spielwelt in immer mehr Sonderregeln abbilden zu wollen. Darunter leidet zwangsläufig die Übersichtlichkeit und die Zugänglichkeit. Bereits das Kartenset scheitert am eigenen Anspruch, alle relevanten Spielwerte abzubilden. Mit der steigenden Zahl an DSA5-Publikationen dürfte auch die Zahl der für das Spiel zwingend notwendigen Bücher mit Regelinhalt rasant wachsen. Wer will da noch den Überblick bewahren?

Verfasst von:

12 Kommentare

  1. Raeblein
    24-02-2016
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    Huhu

    Da hilft wohl nur Abstimmung mit den Füßen findet ihr nicht?
    Die meisten DSA Spieler dürften für dieses und das halbe nächste Leben genug DSA Material im Schrank haben, sie brauchen den Verlag nicht um bedingt, vor allem weil ohne „Gesellschaftspiele Verlag“ ja zu mindest gefühlt kaum völlig neue Gruppen entstehen. die meisten werden von mehr oder weniger alten Hasen überzeugt die durchaus Bücher aus leihen.

    Schon bei DSA4.X war es nervig nicht nur in einem Haufen Bücher suchen zu müssen sondern auch noch Korrekturen prüfen zu müssen. da geht es noch, wenn man jetzt aber nicht mehr ungefähr 7 sondern bald schon 10 oder 20 Bücher braucht, incl. leidiger „Was gilt denn nun?“ Diskussionen, wird das Prüfen all dieser Korrekturen echt nervig,

  2. Oho, beginnt jetzt schon die Kritik an der Verteilung von Regeln auf zu viele Bände…?
    DSA4 war auch „einfach“, als es nur das Basisbuch gab, aber zumindest war klar, dass man mit den Boxen bzw. Wege-Bänden alles Relevante hatte. DSA5 hat ja von Anfang diesen Anspruch (relevante Regeln an einem Platz zu sammeln) explizit nicht, deswegen möchte zwar nicht sagen „ich hab’s ja gesagt“, aber wartet erst mal ab, was weitere Ergänzungsbände, Regionalbeschreibungen etc. hier noch alles bringen werden – wir befinden uns meiner Prognose nach hier erst am Anfang eines Regelwusts, der vermutlich schlimmer wird, als es DSA4 je war.

    • 24-02-2016
      Antworten

      In Ermangelung eines „Gefällt mir“-Buttons muss ich einfach in Textform zustimmen. Vermutlich stehen uns noch einige Kreaturenbände ins Haus – samt zugehörigen Kartensets und Sonderregeln. Von der angestrebten Regelleichtigkeit und Einsteigerfreundlichkeit wird da nicht viel übrig bleiben.

      • Schreckse
        25-02-2016
        Antworten

        So ihr beiden, da ich euch jetzt mal in einem Thread erwische 😉

        Bitte, bitte, mit Zucker oben drauf und ner kleinen Kerze, veröffentlicht doch eure Systeme… Ich möchte nicht mehr DSA4 spielen und DSA5 nicht kaufen. Und eure Sachen klingen echt als Alternative insbesondere, da es da ja auch schon Inspirationen gab…

        • 25-02-2016

          Danke für die Motivation, aber das wird bei mir noch dauern – arbeitsbedingt komme ich seit einem halben Jahr kaum mehr zur Weiterarbeit an Triakonta.
          Hoffe aber natürlich, dass das demnächst besser wird.

    • 25-02-2016
      Antworten

      Wobei das Problem in meinen Augen weniger die Sonderregeln sind, die es für einzelne Kreaturen gibt. Ein Basilisk oder Borbarad-Moskito lässt sich nun mal nicht (oder nur schwer) durch nackte Spielwerte abbilden.

      Allein anhand der Spielwerte wäre das nur eine ziemlich große und kräftige, letztlich aber nicht sonderlich gefährliche Schlange oder eine harmlose Stechmücke. Diese Kreaturen sind so speziell, dass sie sich durch allgemeine Regeln nicht abbilden lassen (oder nur mit einem sehr hohen Abstraktionsgrad).

      Allerdings kann man sich über die Sinnhaftigkeit mancher Sonderregeln streiten. Beim Maru z.B. muss jede 5. KR geprüft werden, ob er seine Waffe fallen lässt. Das ist Quatsch und erhöht nur den Verwaltungsaufwand. Da wäre es besser gewesen, die schwachen Arme durch einen ein Punkt niedrigen AT-Wert abzubilden. So viel Abstraktionsgrad sollte ja wohl möglich sein.

      Was micht stört sind die Kampfsonderfertigkeit und sonstigen Regelergänzungen im Kreaturenbuch. Die haben da nichts zu suchen. Regeln gehören in Regelbücher.
      Es ist doch nervig, wenn ich neben den Regelbüchern auch immer noch das Kreaturenbuch mitschleppen/griffbereit haben muss, weil nur dort die Regeln für bestimmte Sonderfertigkeiten erklärt werden.
      Und dann brauch ich demänchst noch x Regionalbände und sonstige Spielhilfen, die ebenfalls potenziell wichtige Regeln erhalten? Ich hoffe doch nicht.

      • — „Und dann brauch ich demänchst noch x Regionalbände und sonstige Spielhilfen, die ebenfalls potenziell wichtige Regeln erhalten?“ —

        Ich fürchte, genau das ist der Plan für DSA5. Zumindest, soweit ich das bisher verstanden habe.
        Aber natürlich ist alles komplett optional, was noch kommt…

  3. 25-02-2016
    Antworten

    Hallo,

    ich möchte hier darauf hinweisen, dass es bei DSA5 die Bestrebungen gab/gibt, alle relevanten Regelmechanismen, die NICHT im Grundregelwerk stehen, auch in den Abenteuern ausführlich zu beschreiben; sprich: wer nur das Grundregelwerk und das Abenteuer vor sich liegen hat, der sollte alle erforderlichen Regeln besitzen; so war das jedenfalls meiner Erinnerung nach angedacht gewesen…
    ich bin gespannt, ob dieses hehre Ziel weiter verfolgt wird, denn damit hätte man definitiv eine sehr solide Vereinfachung! Die damit entstehenden Redundanzen in den Abenteuern nehme ich liebend gerne in Kauf!

    • Omach
      26-02-2016
      Antworten

      Ich hab das jetzt eher als zynischen Kommentar von Schreckse aufgefasst, aber bei euch beiden kann man es mit viel guten Willen fast noch durchgehen lassen.

      • Omach
        26-02-2016
        Antworten

        das sollte jetzt an RPGnosis weiter oben gehen.

        an dich: das glaubt doch inzwischen wirklich niemand mehr.

  4. Garbosch
    26-02-2016
    Antworten

    Grundsätzlich waren in dem Forum genau drei Leute die sich darüber aufgeregt haben. Zwei von denen sehr und einen hats nur am Rande gestört.

    Viel größer war die Anzahl der User (nicht Posts) in dem erwähnten Forumthread, die diese Aufregung für übertrieben hielten.

    Oft täuscht es, wenn sich ein oder zwei Menschen mit sehr vielen Forumposts aufregen, dann wirkt es so als würden sich alle darüber aufregen.

    • Omach
      26-02-2016
      Antworten

      Ich hoffe du willst uns jetzt nicht ernsthaft versuchen zu vermitteln, dass im hauseigenen Forum eine repräsentative Meinung vorherrscht? Das ist dort genau so wenig der Fall, wie auf allen anderen Plattformen. Inzwischen kann man wohl schon von aktiver Lagerbildung sprechen.

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