Layout-Vergleich: Lorakis vs. Myranor vs. Aventurien

Lorakis - Myranor - Aventurien im Layout-VergleichMit Splittermond hat ein neues Fantasy-Rollenspiel die Bühne betreten. Fast genau ein Jahr nach der ersten Ankündigung veröffentlichte der Uhrwerk-Verlag am vergangenen Donnerstag Splittermond – Die Welt, das Quellenbuch zur Spielwelt Lorakis und seiner Bewohner.

Bekanntlich gibt es keine zweite Chance für den ersten Eindruck. Und der erste Eindruck von Splittermond – Die Welt ist, nun ja, ziemlich blau… und verteufelt gut.

Entscheidend für diesen ersten Eindruck ist das Layout. Wie wichtig ein Layout ist, veranschaulicht der Uhrwerk-Verlag mit dem Weltenband auf eindrückliche Weise. Bevor ich auch nur den ersten Text gelesen hatte, vermittelte mir allein das Durchblättern ein wohliges Gefühl: “Da hat sich jemand Gedanken gemacht und Mühe gegeben.”

Das ist nicht immer so. Eigentlich ist es sogar eher selten – besonders bei deutschen Fantasy-Rollenspielen.

Ein Vergleich mit anderen Rollenspielbücher zeigt, wie gelungen das Layout des Splittermond-Weltenbandes ist. Im folgenden habe ich beispielhafte Seiten aus Splittermond – Die Welt entsprechende Seiten aus dem Myranor-Settingband Unter dem Sternenpfeiler und der Aventurien-Beschreibung Geographia Aventurica gegenübergestellt.

Die Wahl ist nicht nur deshalb auf diese beiden Bücher gefallen, weil sie ein ähnliche Zielgruppe ansprechen. Ich habe mich auch deshalb für diese Bände entschieden, weil Unter dem Sternenpfeiler für mich bislang das Paradebeispiel für gelungenes Layout ist, während der Aventurien-Band eher das abschreckende Gegenbeispiel darstellt (und mit DSA5 vermutlich deutlich verbessert wird).

Doch genug der Vorrede. Jetzt geht es los.

(Nur noch ein Hinweis: Alle Bilder vergrößern sich bei einem Klick darauf.)

Das Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnisse im Vergleich

An dieser Stelle könnte der Vergleich eigentlich beendet werden. Bereits ein Blick auf die Inhaltsverzeichnisse sagt (fast) alles. Noch vor den ersten inhaltlichen Seiten lassen sich dort bereits die wesentlichen Unterschiede im Layout erkennen. Alles, was auf den folgenden Seiten kommt, bestätigt nur diesen ersten Eindruck.

Splittermond - Die Welt - Inhaltsverzeichnis - Wunderbar übersichtlichDas Inhaltsverzeichnis von Splittermond – Die Welt ist ein Musterbeispiel an Übersichtlichkeit. Die saubere inhaltliche Gliederung wird durch Absätze, Einrückungen und Farben verdeutlicht. Das ist noch besser als bei Unter dem Sternenpfeiler, wo die Übersichtlichkeit ein wenig unter den fehlenden Absätzen leidet, und viel besser als bei der Geographia Aventurica, die das wohl schrecklichste Inhaltsverzeichnis der grünen Reihe aufweist: unübersichtlich, teils unverständlich und merkwürdig unsortiert.

In genau diesem Stil geht es weiter. Der Splittermond-Weltenband kommt wunderbar aufgeräumt und strukturiert daher und entzückt das Auge immer mal wieder mit hübschen Zeichnungen. Der Myranor-Band macht seine Sache zwar auch gut, die Seiten wirken jedoch durch fehlende Absätze und die etwas kleinere Schrift häufig überladen. Die Geographia Aventurica hingegen ist eine wilde Ansammlung von schwarz-weißen Textwüsten, bei denen munter zwischen Schriftarten und Schriftgrößen gewechselt wird. Spätere Bände der grünen Reihe haben die gröbsten Schnitzer zwar vermieden, der Splittermond-Weltenband zeigt aber, wie sehr Übersichtlichkeit die Lesefreude steigert.

Der Kontinent

Ein Überblick der Spieltwelten im Vergleich

Karten! In Farbe! Das muss mal ausdrücklich betont werden: Farbkarten! Mehrere davon! Und nicht bloß halbwegs passende Karten, sondern passend aufbereitete Karten. Es ist fantastisch. Eigentlich sollte es eine Selbstverständlichkeit sein. Ist es aber leider nicht.

Splittermond - Die Welt - Der Kontinent Lorakis im ÜberblickIn der Geographia Aventurica gibt es nicht eine einzige Karte. Als Kartenmaterial sind nur die beiligenden Farbkarten vorhanden. Anonsten: Nichts. Und das in einem Band, der die Spielwelt beschreibt. Verrückt.

Unter dem Sternenpfeiler war im Vergleich zur Geographia Aventurica ein enormer Fortschritt. Doch wie es noch besser geht, zeigt Splittermond – Die Welt, in dem zur Beschreibung des Kontinents, der Subkontinente und der Regionen stets die passende Karte abgedruckt ist.

Am Anfang des Buches steht ein zehnseitiges Kapitel, in dem Lorakis und die Subkontinente vorgestellt werden. Der Überblick ist denkbar kurz und die zahlreichen Eigennamen sind anfangs verwirrend, so dass die Texte inhaltlich nur eingeschränkt überzeugen. An anderer Stelle wurde zudem eine deutlichere Unterteilung und Einordnung der Karten gewünscht. Unabhängig von der Qualität der Texte ist der konsequente Einsatz von Karten zur besseren Verdeutlichung und Orientierung aber einer der fetten Pluspunkte im Weltenband-Layout.

Die Völker

Völkertafeln im  Vergleich - sofern es sie überhaupt gibt

Erst das Land, dann die Leute. Nach dem knappen Lorakis-Überblick folgt eine Beschreibung der Bewohner des Kontinents. Auf jeweils knapp einer Seite werden die fünf spielbaren Völker (Alben, Gnome, Menschen, Varge Zwerge) und die weiteren intelligenten Spezies beschrieben.

Splittermond - Die Welt - Völkertafel zu allen spielbaren Spezies sind vorhanden Ein wenig Spott und Häme haben die Zeichnungen der Völker auf sich gezogen. Die Qualität der Zeichnungen… nunja… man kann sich darüber streiten. Aber wie Zwart in seinem Durchgeblättert-Video zu Splittermond – Die Welt sagte: “Ich finde diese Völkertafeln nur okay. Vom zeichnerischen her finde ich sie schlimm. Aber sie sind wenigsten vorhanden. Viele Rollenspiele verzichten nämlich auf diese Tafeln.” So sieht’s aus.

Der Myranor-Band enthält Zeichnungen für einige, aber nicht für alle spielbaren Völker, während es für Aventurien überhaupt keine Völkertafeln gibt. Gerade im Vergleich zur Geographia Aventurica werden die Vorzüge des Splittermond-Weltenbandes besonders deutlich. Der Aventurien-Band ist eine recht willkürliche Aneinanderreihung von Texten, bei dem die gewünschte Information lange gesucht werden muss. Der Splittermond-Band hingegen verfolgt konsequent eine Beschreibung vom Großen zum Kleinen, bei der das Layout diese Gliederung unterstützt. Die gesuchten Informationen sind viel leichter auffindbar.

Die Regionen

Das Herzstück: Die Beschreibungen der Regionen im Vergleich
Das Herzstück des Splittermond-Weltenbandes sind die Beschreibungen der einzelnen Regionen. Auf rund 200 der 280 Seiten des Buches werden die Reiche und Gebiete Lorakis‘ vorgestellt. Wer Unter dem Sternenpfeiler kennt, wird manche Parallelen im Konzept erkennen. Doch dem Uhrwerk-Verlag ist es auch hier gelungen, das Layout im Vergleich zum Myranor-Band noch einmal zu verbessern.

Splittermond - Die Welt Die Region KungaitanUnter dem Sternenpfeiler hat seine Sache schon sehr gut gemacht. Die Beschreibungen der Regionen folgten einem einheitlichen Muster: Jeder Beitrag enthielt eine Farbkarte, ein Wappen und einen (fast) immer gleich aufgebauten Text. Das war wunderbar übersichtlich und ließ sich gut lesen. Splittermond macht es noch etwas besser.

Die Verbesserungen zeigen sich in den Details: Größere Überschriften und mehr Absätze erleichtern die Lesbarkeit. Die Farbkarten sind meist ebenfalls größer und zeigen mehr von den angrenzenden Regionen, was eine bessere Orientierung ermöglicht. Die aus der grünen Aventurien-Reihe bekannte Box liefert zu Beginn einer Regionen-Beschreibung einen Überblick der wichtigsten Informationen. Und – nicht zu unterschätzen – die Beschreibung einer Region beginnt immer auf einer neuen Seite.

Inhaltlich können die Beschreibungen zwar nicht immer vollkommen überzeugen – doch das soll Thema eines späteren Beitrages sein. Das Layout der Regionalbeschreibungen, wie auch des gesamten Splittermond-Weltenbandes, ist rundum gelungen und gehört zum Besten, was ich kenne.

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