Der Weltraum, unendliche Weiten
Der Weltraum, unendliche Weiten

Science Fiction ist leicht zu erkennen. Zukunft, Weltall, Raumschiffe, manchmal Aliens  – das ist Science Fiction. Science Fiction erkennt man, wenn man sie sieht. Oder?

Nun ja…

Bereits ein flüchtiger Blick in die Wikipedia zeigt, dass die Sache nicht ganz so einfach ist. Die Definition von Science Fiction hat rund 1300 Wörter. Andere Quellen sind nicht besser. Ein historischer Abriss über die Defnition von Science Fiction auf epilog.de kommt sogar auf fast 3000 Wörter.

Die Schwierigkeiten einer griffigen Definition von Science Fiction veranschaulicht eine weitere Wikipedia-Seite: Die (unvollständige) Liste der Pen&Paper-Rollenspiele. Jedes System wird dort einem Genre zugeordnet. Star Wars oder (das hier bereits rezensierte) Nova finden sich erwartungsgemäß im Bereich Science Fiction. Eigentlich eine klare Sache. Raumschiffe, Weltall, Aliens – alles da. Doch selbst diese einfachen Fällen bringen bereits erste Probleme mit sich. Star Wars spielt nicht in der Zukunft sondern vor langer Zeit, es ist mehr Märchen als Zukunftsvision.

Bei anderen Rollenspielen ist die Einordnung noch problematischer. Shadowrun hat zwar keine Raumschiffe und Aliens, dafür aber eine Zukunftsvision und wurde wohl deswegen unter Science Fiction gelistet. Zugleich enthält Shadowrun aber zahlreiche Fantasy-Elemente. Ähnliches gilt für das Dark-Futur-Rollenspiel Engel. Bei Space 1889 hingegen reist die Menschheit zwar durch das Sonnensystem und kolonisiert Planeten, in den Bereich Science Fiction fällt das Spiel dort dennoch nicht.

Was also ist Science Fiction?

Eine einheitliche Definition gibt es nicht. Es gibt nur zahlreiche Versuche der Definition. Die deutschsprachige Wikipedia bietet folgende Definition an:

Science-Fiction entwirft Konstellationen des Möglichen, beschreibt deren Auswirkungen auf die Gesellschaft und den Menschen und reichert reale wissenschaftliche und technische Möglichkeiten mit fiktionalen Spekulationen an.

Oder wie es der Science-Fiction-Experte Robert Hector mal gesagt hat:

Science Fiction ist die Extrapolation und Projektion naturwissenschaftlicher, technischer und gesellschaftlicher Entwicklungen in die Zukunft.

Das ist zugegebenermaßen eine sehr nüchterne Beschreibung. Ähnlich trocken hat es einer der bekanntesten SciFi-Autoren formuliert, Isaac Asimov:

Science Fiction ist realistische Mutmaßungen über mögliche zukünftige Ereignisse, die fest auf dem entsprechenden Wissen über die wirkliche Welt in Vergangenheit und Zukunft und auf einem genauen Verständnis der Natur und Bedeutung wissenschaftlicher Methoden fußen.

Dass sich SciFi-Definition sogar im typisch schnarchigen Wissenschaftsdeutsch formulieren lassen, hat der Soziologie-Professor Hans-Jürgen Krysmanski bewiesen:

Science Fiction ist die literarische Erscheinungsform der spielerischen Zusammenschau von Mensch, Gesellschaft und Geschichte in einem variablen, bildhaften Denkmodell von raumzeitlicher Autonomie, das die Erkundung von Möglichkeiten losgelöst von der sozialen Wirklichkeit, jedoch mit Bezug auf sie, erlaubt.

Gut, das muss man jetzt nicht auf Anhieb verstehen. Ist auch nicht so wichtig. Viel besser ist nämlich die Definition von SciFi-Autor Arthur C. Clarke, der sich auf den Unterschied zwischen Science Fiction und Fantasy konzentriert:

Science fiction is something that could happen – but you usually wouldn’t want it to. Fantasy is something that couldn’t happen – though you often only wish that it could.

Diese kleine Auswahl an Definitionen zeigt, dass sich im Laufe der Jahrzehnte sehr viele sehr kluge Menschen Gedanken darüber gemacht haben, was Science Fiction ist. Eine kleine Sammlung von Definitionen haben die englischsprachige Wikipedia-Seite und Seite ebesta.at zusammengetragen. Aber auch das bekräftigt nur: Es gibt keine allgemein akzeptierte Definition von Science Fiction.

Ein Dilemma. Science Fiction wird doch in den kommenden Wochen das Schwerpunktthema auf Arkanil sein. Aber wie soll ich beurteilen, ob ein Thema überhaupt zur Science Fiction gehört? Selbst Star Wars – für viele wohl klassische Science Fiction – ist nach manchen Definitionen keine Science Fiction, sondern Fantasy.

Die Lösung hat der SciFi-Autor Norman Spinrad parat:

Science Fiction ist alles, was als Science Fiction veröffentlicht wird.

Das gefällt mir. So wird es gemacht. Das ist eine wunderbar weit gefasste Definition.

Allerdings – das sei an dieser Stelle schon verraten – werde ich in meinen zukünftigen Texte die wesentlich enger gefassten Definitionen erneut aufgreifen. Denn Science Fiction ist vielleicht alles, was als Science Fiction veröffentlicht wird. Doch gute Science Fiction muss in meinen Augen etwas mehr sein.

15 Kommentare zu “Was ist Science Fiction?

  1. QUOTE
    „Science Fiction ist die literarische Erscheinungsform der spielerischen Zusammenschau von Mensch,
    Gesellschaft und Geschichte in einem variablen, bildhaften Denkmodell von raumzeitlicher Autonomie, das die Erkundung von Möglichkeiten losgelöst von der sozialen Wirklichkeit, jedoch mit Bezug auf sie, erlaubt.“

    Gut, das muss man jetzt nicht auf Anhieb verstehen. Ist auch nicht so wichtig.
    UNQUOTE

    muahahaha… Ich schmeiss mich gleich weg! 🙂 Ja, das kann man so formulieren, muss man aber nicht… 😉

    QUOTE
    Science fiction is something that could happen – but you usually wouldn’t want it to. Fantasy is something that couldn’t happen – though you often only wish that it could.
    UNQUOTE

    Zu erwähnen wäre noch in diesem Zusammenhang der Begriff der „Utopie“ (ein schöner, nicht-existenter Ort) und die „Dystopie“ (das genaue Gegenteil; mit der Welt/dem Universum gehts den Bach runter).

    Häufig trifft man im Sci-Fi kaputte Welten an, die zwar spannend für Geschichten sind, aber keiner will da in echt da leben. Ein typisches Beispiel für Utopie wäre dafür eher die Erde bei Star Trek: Next generation. Schön, friedlich, grün, harmonisch, Geld ist unwichtig – nur wie zum Henker bringe ich da eine spannende Story rein?! 🙂

    Und eben – wenn man zwei Schubladen hat („Fantasy“, „Sci-Fi“) – Was tut man mit all den Beispielen, die nicht in eine der beiden Schubladen passen? Also Schublade Nummer drei: „Sonstiges/Mischformen“ 🙂

  2. Aua. Da hast du dir im Grunde genommen gerade keinen wirklichen Gefallen getan, einen solchen Satz ans Ende des Artikels zu stellen, weil du damit im Grunde eine Definition nutzt, die zwar durchaus stimmig wirkt, aber genau deswegen sehr viel Erklärungbedarf braucht. (Ich weiß wovon ich rede, ich hab ein ähnlich problematisches Thema gerade angefangen als Artikel-Serie.)

    Es wäre toll, wenn dieser Norman Spinrad etwas mehr über seine Äußerung irgendwo hinterlassen hätte.

    1. „Da hast du dir im Grunde genommen gerade keinen wirklichen Gefallen getan“

      Wir möchten dich im unserem Club willkommen heißen, junger Padawan. 😉
      —Nandurion

      1. Abwarten. Ich hab vorhin im Zug eine Zeit lang über Arkanils Aufsatz nachdnken müssen.
        Was mich daran stört kommt wohl als Beitrag in einem anderen Blog.

    1. Danke für den Link. Gegen den Vowurf des Zeilenschindens verwahre ich mich übrigens vehement. 😉

      Ansonsten: In meinen Augen hängst du die Definition von Spinrad viel zu hoch. Meine Interpretation seiner Definition ist nämlich die, dass es ihm gar nicht um eine SciFi-Definition ging, sondern er nur das hier sagen wollte:
      Jahrzehntelang haben wir uns die Köppe darüber eingeschlagen, was Science Fiction ist und was nicht. Ohne Ergebnis. Jetzt ist mal gut. Bringt ohnehin nix. Kümmern wir uns um wichtigere Dinge als formale Definitionen.

      So zumindest verwende ich diese Definition. Egal, ob das der gute Norman so gemeint hat.

      1. Siehst du: Und genau darum schrieb ich ja schon, dass du dir mit der Definition keinen Gefallen getan hast.
        Gerade wenn man solche schwer zu interpretierenden Äußerungen heranzieht herrscht erstmal klärungsbedarf oder Typen wie ich kommen und machen sich ihre eigenen Gedanken.

        Naja. Irgendwie muss ja Inhalt auf die Seiten kommen. ^^

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