WizardsLogoZugegeben, eine völlig neue Idee ist es nicht, wenn ein Verlag sein Rollenspiel-Regelwerk als kostenloses PDF verteilt. Aber die Idee scheint immer mehr Anhänger zu finden.

Wie der US-Verlag Wizards oft he Coast heute ankündigte, wird es für die 5. Edition des Dungeons & Dragons-Rollenspiel ein kostenloses Grundregelwerk im PDF-Format geben: Basic Dungeons & Dragons. Erscheinen soll das PDF mit der Veröffentlichung des D&D Starter Sets, das für den 15. Juli angekündigt ist.

Basic Dungeons & Dragons wird demnach alle für das Spiel notwendigen Regeln enthalten – wenn auch nur in der Basisversion (der Name ist schließlich Programm). Die Charaktergenerierung umfasst vier Völker (Mensch, Elf, Halbling und Zwerg) und vier Klassen (Kleriker, Kämpfer, Schurke und Magier) von Stufe 1 bis 20. Mit dem Erscheinen des für August angekündigten Player’s Handbook soll Basic Dungeons & Dragons um Angaben für die wichtigsten Monster, magischen Gegenstände und weitere Regeln ergänzt werden. Wer noch mehr Regeln möchte, muss Geld für die richtigen Bücher ausgeben.

Gratis-Cthulhu

In Deutschland gibt es seit heute ebenfalls ein weiteres Rollenspiel, dessen Grundregelwerke kostenlos verbreitet werden: H.P. Lovecrafts Cthulhu. Wie Innsmouth Tribune heute berichtete, sind das Cthulhu-Spieler-Handbuch und das Cthulhu-Spielleiter-Handbuch über DriveThruRPG für 0,- Euro erhältlich.

Eine offizielle Stellungnahme des Verlags Pegasus Spiele habe ich bislang nicht gefunden. Nur im Pegasus-Forum wird darüber diskutiert. Merkwürdig eigentlich, dass eine so freudige Nachricht nicht von Verlagsseite laut kommuniziert wird. Aber gut. Einem geschenkten Gaul… ihr wisst schon.

Splittermond für lau

Basic Dungeons & Dragons und und Cthulhu reihen sich damit neben dem neuen Uhrwerk-Rollenspiel Splittermond ein. Bereits vor zwei Wochen hatte der Uhrwerk Verlag angekündigt, das PDF des Grundregelwerks kostenlos zum Download anbieten zu wollen. Die Begründung für diese Entscheidung hat der Verlag auch gleich mitgeliefert – und drückt damit wohl das aus, worauf alle Verlage mit einem kostenlosen Regelwerk hoffen:

Mit dem Gratis-PDF soll eine möglichst große Verbreitung erzielt werden. Gerade bei einem neuen Rollenspiel gäbe es eine Einstiegshürde, die der Verlag auf diesem Wege niedrig halten wolle. Die Erfahrungen mit den kostenlosen Regelwerken für Dungeonslayers und Malmsturm habe gezeigt, dass die einfache Verfügbarkeit überhaupt erst zur Verbreitung der Spiele beigetragen habe, wodurch auf lange Sicht mehr Bücher verkauft worden sein sollen.

18 Kommentare zu “Kostenlos wird Trend

  1. Ja wenns nur noch um Marktdurchdringung geht, mag das so sein, aber ohne Reingewinn wird es mit Reinvestments eher traurig aussehen.

    1. Weiß nicht. Scheint mir ein guter Ansatz zu sein, wenn die Mainstream-Rollenspiele (ich nutze das Wort jetzt einfach mal) die Einstiegs- oder Umstiegshürde möglichst gering ansetzen. Ich glaube schon, dass sich damit mittelfristig mehr Geld pro Rollenspiel machen lässt.

    2. Hm mal überlegen

      Mit ca 6 Freien E Books hat Baen mich motiviert so ca 20 E-Books zu kaufen.

      Malmstrurm kaufte ich mir, nachdem ich das Setting als freies e-file gelesen hatte(und bin btw immer ärgerlich weil das RW nicht als e-file erschienen ist)

      Bei DnD 3 wurden die GRWs durch spätere Produkte subventioniert(DnD 3 war der Verkaufsschlager im RPG)

  2. Cool, danke für die Info, auf Cthulhu war ich ja schon länger neugierig, war aber noch nie bereit Geld dafür in die Hand zu nehmen. Auf den ersten Blick (Optik, Inhaltsverzeichnis) macht es keinen schlechten Eindruck!

    Bei der Abwägung eines kostenlosen Regelwerks müssen sich die Verlage natürlich davon versprechen, dass mehr Spieler auf den Geschmack kommen und anschließend das Original und/oder verstärkt Folgepublikationen kaufen. Das wird meines Erachtens nach so lange gut gehen, so lange es nicht „zu viel“ gute Konkurrenz gibt. Noch kann man sich zumindest die kommerziellen Publikationen an einer Hand ablesen. Diese grenzen sich vielleicht noch gut genug voneinander ab. Spätestens wenn aber jedes Setting drei, viermal bedient ist könnte das schon wieder ganz anders aussehen. Möglich dass es hierzulande aber gar nicht soweit kommt – ist ja scheinbar nicht so, dass man hiermit viel Geld machen könnte.

  3. Meiner Meinung nach sind solche „Basic“-Regelwerke inkl. Eindampfung des Umfangs genau das Richtige um es als PDF anzubieten und auf diese Weise den Kundenkreis zu erweitern. Insbesondere wenn man sich garnicht so sehr eingeschränkt fühlen dürfte wie hier bei D&D (da die Regeln scheinbar Stück für Stück erweitert werden und man vor allem von Stufe 1 bis 20 spielen kann). Stärker beschnittene Werke die mehr in Richtung Schnellstarter gehen sind da sicher längst nicht so effektiv bei der Rekrutierung.
    Äquivalent zu Basic D&D wäre dann wohl „DSA Klassik“, auch wenn ich mir da nicht 100%ig sicher bin was darunter zu verstehen ist, aber ich vermute mal DSA light (oder auch Zerro). Eben dies könnte/sollte Ulisses in digitaler Form kostenlos anbieten, würde dem Zeitgeist wohl entsprechen und der steigenden Konkurrenz (Splittermond, DnD) entgegenwirken.
    Im Gegensatz dazu ist die kostenlose Verbreitung des Gesamtregelwerks (siehe Splittermond) sehr viel krasser, da der direkte Kauf weiterer Produkte oder der Printversion so garnicht vielmehr Inhalt liefert, nur ein bisschen mehr. Da kommt der Gewinn für den Verlag dann schließlich aus Verkäufen der Zusatzprodukte, bringt also nur wirklich was wenn ordentlich nachgeliefert wird (Vgl. Pathfinder mit seinem andauernden Output von gefühlt einem Monstermanual pro Tag). Da Splittermond auch eine Einsteigerbox mit Einsteigerregeln (lies: Basic-Regeln) geplant hat wäre diese kostenlos anzubieten vielleicht die bessere finanzielle Entscheidung, nicht zwingend die effektivere um den Markt zu dominieren (oder zumindest dem Platzhirsch entgegen zu orgeln).

    Kostenlose Grundregelwerk-PDFs großer etablierter Rollenspiele (oder solcher die es werden wollen) sind letztendlich vage kontrollierbare Langzeitinvestitionen deren Erträge sich wohl erst nach 1-2 Jahren bezahlt machen, wenn erfolgreich. Es kann jedenfalls nicht schaden, wenn das Regelwerk richtig richtig gut ist…

  4. Ich behaupte einfach mal, dass sich ein kostenloses PDF des Grundregelwerks für den Verlag fast immer rechnet.

    Wer den Kauf der Print-Ausgabe des Regelwerks geplant hat, wird sich von einem kostenlosen PDF wahrscheinlich nicht vom Kauf abhalten lassen. (Es sei denn, dass Regelwerk ist Schrott. Aber dann ist ohnehin alles egal) Solche Spieler gibt es, sie dürften aber eher in der Minderheit sein. Dem Verlag entgeht dadurch eher nicht viel Geld.

    Dem steht eine sehr große Zahl an Spielern gegenüber, die sich wahrscheinlich oder bestimmt nicht das Print-Regelwerk gekauft hätten, aber nun in das kostenlose PDF reinschauen. Von diesen Spielern werden sicherlich einige anschließend andere Produkte kaufen, wodurch der Verlag – nach meiner Vermutung – deutlich mehr Geld bekommt, als ihm durch das Gratis-PDF entgeht.

  5. Ich finde großformatiges Konkurrenzdenken in einem solch winzigen Nischenmarkt etwas fehl am Platze. Die neue billig-oder-kostenlos-Welle sehe ich insgesamt aber positiv, denn tatsächlich sind die Erstanschaffungskosten eines neuen Systems nicht zu verachten – wenn man sich dann zunächst mal umsonst die Regeln anschauen kann, erleichtert das die Systemauswahl wesentlich, da man dann auch Spiele mit einbeziehen kann, für die einem ungelesen das Geld vielleicht zu schade wäre.
    Ich glaube mich erinnern zu können, dass Tobias Hamelmann irgendwo sagte, dass das SR5-GRW (das ganz dicke, vollfarbige, für 20 €) so gut wegging, dass die 20-Euro-pro-Buch beibehalten werden soll, auch für die Ergänzungsbücher in Zukunft.
    Und bei Splittermond ist es ohnehin sinnvoll, wenn es sich neben DSA als Mainstream-System etablieren will – denn ein PDF ist aus spieltechnischer Sicht nicht zu verachten, wenn es beispielsweise selektives Drucken, Kopieren und Zusammenstellen benötigter Regelpassagen nach eigenem Gusto erlaubt.

    1. Ach, die 20-Euro-Pro-Buch-Politik finde ich ja äußerst interessant. Dann scheint sich das ja wirklich zu rechnen.

      Finde ich gar nicht so überraschend. Bei uns in der Runde hatte sich ein Spieler auch prompt das SR5-Regelwerk gekauft, obwohl wir gar nicht SR spielen. Aber SR ist ein nettes Spiel und für 20 Euro kann man nicht viel falsch machen, so die Einstellung.
      Und auch ich habe im Pegasus-Shop schon etliche SR-Bücher gekauft, einfach weil sie im Supersonderangebot waren.

    1. Aus meiner sehr subjektiven Sicht als einer von ihnen: Ich find’s ne tolle Sache! 🙂

  6. Ich habe in letzter Zeit viel von cory doctorow gelesen. Das ist ein amerikanischer Autor, der seine Werke als eBook unter einer cc-lizenz veröffentlicht. Nur die Printausgaben werden verkauft. Der sagt, unbekannt zu sein, sei für einen Autor schlimmer als Kopien oder die entgangenen Verkäufe. Ich habe die Bücher meist halb gelesen, bevor ich sie dann doch gekauft habe.

    Von daher kann ich die Verlagsstrategie gut nachvollziehen.

  7. Danke für den Hinweis.

    Ich habe mir die Cthulhu-Regeln sofort mal heruntergeladen. Bis hierhin ist die Verkaufsstrategie also schonmal aufgegangen.^^

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