AeonenstaubAuftraggeber: „Ihr dreckigen Hunde, gebt mir sofort meinen Edelsteinspiegel zurück!“
Helden: „Öh… Verzeihung… Was für ein Edelsteinspiegel?“
Auftraggeber: „Tut bloß nicht so. Ich mein‘ das wertvolle Artefakt, das ihr bei eurem Einbruch in meinem Haus gestohlen habt.“
Helden „Wir sind nirgendwo eingebrochen. Wir haben nichts gestohlen. Das muss eine Verwechslung sein.“
Auftraggeber: „Pah. Das glaube ich euch nicht. Könnt ihr das beweisen?“
Helden: „Ja, das können wir.“
Auftraggeber: „So? Wie denn?“
Helden: „Nun… wir werden uns auf die Spur der wirklichen Einbrecher machen und herauszufinden, wo sie als nächstes einbrechen wollen. Und wenn wir das wissen, werden wir dort einbrechen und wertvolle Artefakte stehlen.“
Auftraggeber: „Ah. Alles klar. Guter Plan. Dann bis später.“

Klingt unlogisch, oder? Ist es auch. Aber so ähnlich beginnt Äonenstaub, der zweite Abenteuerband für Myranor aus dem Jahr 2001. Wie das erste Abenteuer Palast der Goldenen Tiger soll Äonenstaub den Spielern die Besonderheiten Myranors näherbringen. Wo Palast der Goldenen Tiger aber einen gewissen Charme versprühte, nervt Äonenstaub mit diversen Unzulänglichkeiten und einer teils arg klischeebehafteten Darstellung.

Einmal Myranor mit allem und Railroading

Die drei Autoren Stefan Küppers, Gregor Rot und Anton Weste haben in Äonenstaub ein buntes Sammelsurium der Eigenarten des Güldenlandes versammelt: Gigantische Städte, weite Ebenen, alte Ruinen, fliegende Schiffe und diverse myranische Kulturen und Spezies. Das Feuerwerk an Idee, das Äonenstaub bietet, ist durchaus abwechslungsreich und interessant. Es sind viele Szenen dabei, die das Potenzial für spannendes und stimmungsvolles Rollenspiel haben. Doch weniger wäre mehr gewesen.

Das Abenteuer ist an einigen Stellen sehr gut, an anderen aber nur ansatzweise ausgearbeitet. Manche Szenen sind nur unzureichend erläutert und interessante Orte oberflächlich beschrieben. Gerade im ersten Teil machen zahlreiche logische Ungereimtheiten dem Spielleiter das Leben zusätzlich schwer. Das bessert sich allerdings nach dem ersten Kapitel.

Was nicht unbedingt besser wird, ist die vorgesehene Abenteuerhandlung. Die Autoren gehen von Handlungsweisen der Helden aus, die nicht immer wahrscheinlich sind. Die Spieler werden teilweise unnötig gegängelt und in Richtungen gezwungen, die sie aus eigenem Entschluss wohl nicht eingeschlagen hätten. Unschön.

Brüll, ich bin ein Löwe

Ein zentrales Element von Äonenstaub ist die Vorstellung der Kultur der Leonir. In grob der gesamten zweiten Hälfte des Abenteuers spielen die Löwenartigen eine wichtige Rolle. Wer mit den Katzenmenschen des Güldenlandes noch nie ein Problem hatte, wird die Darstellung der Leonir in Äonenstaub vermutlich zu schätzen wissen. Wer aber mit den feliden Spezies bislang nichts anfangen konnte, wird nach Äonenstaub genau wissen, warum sprechende Katzen doof sind.

Machen wir mal ein kleines Experiment:

Stellt euch vor, irdische Löwen könnten sprechen und auf zwei Beinen gehen. Und jetzt antwortet spontan: Welche Charaktermerkmale hätten diese Löwenmenschen wohl? Welches Sozialverhalten?

Wenn eure Antworten so ausfallen, wie sie wahrscheinlich bei den meisten Menschen ausfallen, habt ihr ziemlich treffend das Sozialverhalten und die Charaktermerkmal der Leonir beschrieben. Nichts an den Leonir ist überraschend oder sonderlich einfallsreich. Die Leonir in Äonenstaub sind ein auf zwei Beinen wandelndes Löwenklischee.

Zugegeben, verwunderlich ist es nicht, dass eine löwenartige Spezies Ähnlichkeiten mit Löwen aufweist. Auch haben die Autoren von Äonenstaub die Leonir nicht erfunden. Doch sie hätten die Möglichkeit gehabt, die Leonir mit einzigartigen Aspekten auszustatten. Das ist nicht geschehen. Stattdessen werden die Leonir in Äonenstaub so dargestellt, wie sich das jeder halbwegs kreative Rollenspieler in wenigen Minuten hätte ausdenken können. Für ein Abenteuer, das den Spielern die Besonderheiten Myranors näherbringen soll, ist das enttäuschend.

Was bleibt?

Ist nun alles schlecht an Äonenstaub? Nein. Die Darstellung der Leonir ist zwar wenig inspirierend und die Abenteuerhandlung weist Ungereimtheiten auf. Doch abseits davon gibt es interessante Szenen für stimmungsvolles Rollenspiel. Obwohl der Spielleiter häufig viel Arbeit in die Ausarbeitung dieser Szene stecken muss, schrammt Äonenstaub dadurch an einer völligen Negativwertung vorbei. Und dennoch: Am Ende überwiegen die Mängel, weswegen es für Äonenstaub nur drei Würfel gibt.

Arkanil-Wertung:

WertungAeonenstaub

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3 Kommentare zu “Rezension: Äonenstaub

  1. Bei der Rezi fehlt mir leider irgendeine Form von Inhaltsangabe. Was passiert da? Wo geht es hin? Wäre für die Nachvollziehbarkeit deiner Meinung sehr hilfreich.

    1. Die Inhaltsangabe ist offenbar dem zwanghaften Versuch zum Opfer gefallen, jede Art von Spoiler zu vermeiden. Ich suche da noch nach dem richtigen Maß. Daher vielen Dank für den Hinweis.

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